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Diesen Reichtum von Flora und Fauna bildlich nicht nur einzufangen, sondern die komplexen Zusammenhänge auf unterhaltsame Art verständlich zu erzählen, ist die Intention unserer Naturdokumentation.

Marco Ruppert

 

Katrin und Marco Ruppert kommen schnell ins Schwärmen, wenn es um den 285 Kilometer langen „Westweg“ geht. Da ist zum einen die Strecke, die sie vor Jahren gewandert sind und die sie begeistert hat: Sie führt von Pforzheim im Norden bis Basel im Süden über die höchsten Gipfel der Ferienregion. Hochmoore und Seen, dichte Nadelwälder, sattgrüne Wiesen, breite Tallandschaften: Schöner, abwechslungsreicher und naturnäher lässt sich Deutschlands größtes Mittelgebirge wohl nicht entdecken. Zum anderen punktet der „Westweg“ noch mit einer Besonderheit: Er führt durch alle geografischen und geomorphologischen Gebiete des Schwarzwalds und wurde 1900 erstmals von den Schwarzwaldvereins-Mitgliedern Philipp Bussemer und Julius Kaufmann ausgeschildert.

„Diesen Reichtum von Flora und Fauna bildlich nicht nur einzufangen, sondern die komplexen Zusammenhänge auf unterhaltsame Art verständlich zu erzählen, ist die Intention unserer Naturdokumentation“, erklärt Marco Ruppert (Jahrgang 1969). Leitfragen, die dem Projekt zu Grunde liegen, sind etwa: Was ist Wildnis? Was ist Natur? Und was macht den Schwarzwald eigentlich so besonders?

 

 

Viel gedreht hat Ruppert daher im Nationalpark im nördlichen Schwarzwald sowie im Biosphärenreservat im südlichen Schwarzwald. „In den Schutzgebieten, dazu zählen auch die beiden Naturparke, wird ein richtig guter Job gemacht“, sagt er, „denn Klimawandel und Artensterben betreffen natürlich auch den Schwarzwald.“ Er recherchierte viel für die Dreharbeiten, tauschte sich mit Experten vor Ort aus („Local Heroes“, wie er sie nennt) und hat in dem promovierten Geografen und Landschaftsexperten Andreas Megerle auch wissenschaftliche Beratung für den Film.

Diese authentische Expertise, die nie in Belehrung oder Unverständlichkeit abgleitet, ist nur eines der Qualitätsmerkmale der Doku. Denn den Filmemachern ist es auch gelungen, in atemberaubenden Bildern nicht nur die Faszination am „Westweg“ und allgemeiner noch am Wandern einzufangen, sondern auch sprichwörtlich links und rechts des Wegs spannende Geschichten zu erzählen. Eine Art roten Faden bilden die beiden professionellen Musiker Andreas und Marcus Fechner von der Band „Suntears“, die, ausgestattet mit Wander-Sulky und zwei Gitarren, den „Westweg“ laufen und immer wieder von der Kamera eingefangen werden. So ist der Film, auf einer weiteren Ebene, auch eine Annäherung an die Entstehung eines Musikstücks – denn die Beiden verarbeiten ihre Wander-Eindrücke auf künstlerische Art.

 

 

Seit 2019 arbeiten die Rupperts an „WildWestwegs“, parallel laufen aktuell schon die Dreharbeiten für ihr neues Projekt über die wilde Seite von Baden-Baden. 2017 debütierten sie im Kino mit „Unsere Alb“, ebenfalls eine Naturdokumentation, die dem nördlichsten Fluss des Schwarzwalds gewidmet war. Das Feedback und die Besucherzahlen (mehr als 11.000) waren so gut, dass sie sich ein größeres Ziel setzten. „Gleich unsere erste Idee war der Westweg“, erinnert sich Katrin Ruppert (Jahrgang 1973), „und obwohl wir dann noch viele weitere Ideen hatten, sind wir immer darauf zurückgekommen.“

Auch „WildWestwegs“ haben die Rupperts wieder aus eigener Tasche finanziert. Katrin Ruppert, die Vollzeit als Sekretärin arbeitet, hat für den Film in ihrer Freizeit die Produktionsassistenz übernommen: Das beinhaltet unter anderem die Making-Of-Fotografie und allen voran die Planung sowie Organisation der Dreharbeiten und die Akquise der Kinos. Marco Ruppert arbeitet drei Tage die Woche als Grafikdesigner – er hat das Drehbuch geschrieben, gefilmt (zusätzliche Aufnahmen kamen von Alexander Rösch), Regie geführt, den Film geschnitten und produziert. Ein Großprojekt. „Wenn man alles selber macht, lernt man auch alles von der Pike auf“, sagt Marco Ruppert.

 

 

Ausdauer, Geduld und Expertise brauchte der Filmer auch für seine Aufnahmen von Tieren wie Hirsch, Fuchs, Milan, Dreizehenspecht, Eisvogel, Auerhuhn, Luchs, Badischem Riesenregenwurm und Co. „Man muss wissen, wie sich die Tiere verhalten, wie man sich ihnen nähern kann, ob man ein Tarnzelt braucht oder mit versteckten Kameras arbeiten muss“, sagt Ruppert. „Ich muss quasi mit der Umwelt verschmelzen, denn ich möchte das natürliche Verhalten der Tiere darstellen.“ Auf gewisse Weise arbeite er also wie ein Jäger, sagt Ruppert, „ein Jäger der Bilder“. Persönliche Bedürfnisse müssen da, wenn er auf Bilder-Lauer liegt, auch mal hintenanstehen. „Hitze, Regen, Kälte und unbequeme Positionen, dazu das Gewicht der Kameraausrüstung, das ist körperlich richtig anstrengend. Aber ich liebe das Filmen und Filmemachen!“

Die Rupperts hatten wie bei all ihren Projekten auch den Anspruch, so ökologisch wie möglich zu arbeiten: Für Drehs im südlichen Schwarzwald blieben sie gleich für ein paar Tage auf einem Campingplatz, um kurze Wege zu haben. Natürlich hatten sie für alle Dreharbeiten auch die entsprechenden Genehmigungen, „wir wollen mit unserer Arbeit schließlich vermitteln, dass man die Natur achtet“.

 

 

In den Herbst- und Wintermonaten 2022 arbeitet Marco Ruppert nun im Schnitt, zwischen 90 und maximal 110 Minuten soll der Film lang werden. „Bei dieser Arbeit kriegt man erst das Gefühl dafür, wie eine Aufnahme in einer Komposition wirkt oder wie lange ein Bild stehen muss.“ Die Textpassagen spricht Schauspieler Gunnar Schmidt ein. Und am Ende braucht es, wie bei allen Naturdokumentationen, noch nachträglich hinzugefügten Ton. „Bei Drohnenflügen gibt es beispielsweise keine Tonaufnahmen, zudem gibt es eigentlich immer Störgeräusche. Würde man das unbearbeitet zeigen, wären die Zuschauer ziemlich verwundert“, lacht Marco Ruppert.

Voller Vorfreude schaut das Ehepaar dem Kinostart im Februar 2023 entgegen: „Wir hoffen, dass den Zuschauern der Film gefällt und wir dazu beitragen können, dass die Wertschätzung und das Verständnis für die Natur weiter steigt.“

Kinopremiere der Naturdokumentation „WildWestwegs“ ist am 4. Februar 2023 im Kino „Kulisse“ in Ettlingen. Danach ist der Film in vielen weiteren Kinos im Schwarzwald und auch darüber hinaus zu sehen. Tickets sind ab 1. Dezember 2022 erhältlich. Die Filmemacher sind bei vielen Terminen anwesend. Es wird auch eine DVD sowie (später) eine englischsprachige Version des Films geben. Eine aktuelle Übersicht der Kinotermine gibt es unter www.wildwestwegs.de

 

Text: Michael Gilg
Bilder: © Ruppertfilm