Eisbaden – © Birgit-Cathrin Duval
Mit Atmen und Eisbaden zum neuen Power-Ich
Bad Dürrheim ist mir wegen des Mineralwassers bekannt, das ich seit Jahren trinke. Mein erster Besuch in der Stadt führt mich aber aus anderem Grund hierher. Das viele Grün ist überwältigend. Hier scheint es mehr Bäume und Gärten zu geben, als Häuser. Mittendrin liegt der riesige Kurpark und das Solemar-Thermalbad, dessen Sole-Wasser aus 300 Metern Tiefe gewonnen wird. Bad Dürrheim ist einzigartig im Schwarzwald, die Kurstadt besitzt ein Dreifachprädikat: „Sole-Heilbad“, „Heilklimatischer Kurort“ und „Kneipp-Kurort“. Und sie ist das Zentrum des Biohacking im Schwarzwald. Deswegen bin ich hier, um Biohacking kennenzulernen.
Bio… – was? Im Kurpark treffe ich mich mit Kathrin-Anna Ziegler, Projektleiterin Biohacking Bad Dürrheim und bestens mit dem Thema betraut. Sie erklärt mir, was es damit auf sich hat: Bio steht für Biologie und Hacking für smartes Tüfteln und Optimieren. Beim Biohacking geht es um kleine Veränderungen meines Lebensstils, die ich mir aneigne, um Körper und Geist zu stärken. Weniger Stress, dafür mehr mentale Stärke. Klingt super. Dabei lerne ich, in mich hineinzuhören, meinen Körper zu verstehen und zu erkunden, welche Strategien die besten sind, damit ich gesünder und leistungsfähiger werde. Und wer will das nicht, weniger krank sein und lange und fit leben?
Biohacking bringt Atmung, Meditation, Yoga, Ernährung, Waldbaden zusammen, um besser zu schlafen und den Biorhythmus in Einklang zu bringen. Ganz wichtig: eine starke Atmung für mehr Body-Mind-Power. Und nicht zuletzt das, was ich im Begriff bin zu tun: Eisbaden, um die positiven Effekte des kalten Wassers zu nutzen. Denn Kälte regt die Durchblutung an, setzt Adrenalin und Endorphine frei und kurbelt das Immunsystem an. Soweit die Theorie, jetzt geht es an die Praxis.
Übrigens: Bereits Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897), Namensgeber der Kneipp-Medizin und der Wasserkur mit Wassertreten, praktizierte Biohacking. Er wusste um die heilende Wirkung von Ernährung, Bewegung, Kräutern und kaltem Wasser. Mit der über 100-jährigen Geschichte und Kompetenz für Gesundheit und Prävention setzt Bad Dürrheim diese Philosophie mit modernen Mitteln fort. Beste Kompetenzen als Zentrum für Biohacking im Schwarzwald.
Mein Erlebnis beginnt vormittags mit einer Atemsession. In der Solemar-Therme wartet bereits Kathrin-Anna auf mich. Wir betreten die Totes-Meer-Salzgrotte, die aus naturreinen Salzriegeln besteht, dort empfangen uns meditative Klänge und gedimmtes Licht. Und wunderbare Luft. Die Salz-Aerosole enthalten wertvolle Mineralien und wirken wie ein Inhalator – der perfekte Ort, um gesunde Luft zu atmen.
Denn die Atmung ist einer der wichtigsten Faktoren des Biohacking. Gezielt eingesetzt, lässt sich damit sogar der pH-Wert des Blutes verändern, erklärt Kathrin-Anna. Mit kontrolliert tiefen Atemzügen erhöhen wir den Sauerstofflevel im Blut. Dadurch beruhigt sich das Nervensystem. Wir versetzen den Körper – mit der Kraft unseres Atems – in einen Anti-Stress-Modus.
Während dieser Atemtechnik könne mir schwindlig werden oder ein Kribbeln in Händen und Armen auftreten, erklärt Kathrin-Anna. Das sei nicht besorgniserregend, sondern ein Zeichen, dass sich mein Sauerstoff-Level verändert. Deshalb sollte diese Atemtechnik aber nur unter fachkundiger Anleitung praktiziert werden, keinesfalls beim Autofahren oder im Wasser.
Die Atemreise beginnt auf einer Decke liegend auf dem Sandboden der Grotte. Ich schließe die Augen und fokussiere mich auf Kathrin-Annas sanfte Stimme, mit der sie mich anleitet. Tief einatmen, in den Bauch, in die Brust und bis in den Kopf. Meine Lungen füllen sich, ich staune, wieviel Luft da Platz hat! Beim Ausatmen presse ich langsam alle Luft aus mir heraus, bis sich mein Bauch zusammenzieht. Wir atmen rhythmisch, ein, aus, ein, aus, es entsteht ein Flow aus tiefen Atemzügen. Dann folgt ein intensives Ausatmen und wir halten den Atem an. Alles ist ruhig, als würde die Zeit stillstehen. Dann, nach gefühlt einer Minute oder gar länger, das Zeichen: tief einatmen und wieder kurz den Atem halten. Ausatmen.
Der Atem-Flow beginnt von vorne. Meine Hände und Arme fangen an zu kribbeln. Ich fühle eine angenehme Schwerelosigkeit im Kopf. Nach Abschluss unserer Atemsession fühle ich mich erfrischt, leicht und unglaublich wach wie nach einem langen Tiefschlaf.
Ich kann es kaum fassen, das eiskalte Wasser bringt mich sogar zum Lachen. Setzt Kälte tatsächlich Endorphine frei?
Birgit-Cathrin Duval
Nun folgt die Königsdisziplin des Biohacking: das Eisbad. Zunächst muss ich meinen Körper aufwärmen. Synchron folge ich den sanft fließenden Bewegungen von Kathrin-Anna, lasse Arme und Hüfte kreisen, bevor es ernst wird.
Mir stockt der Atem, als ich mit einem Bein in das eisig kalte Wasser steige. „Tief und langsam atmen“, weist mich Kathrin-Anna an. Jetzt stehe ich bis zur Hüfte im eiskalten Wasser. Dann ein tiefer Atemzug und ich tauche ein, die Eiswürfel klirren, das eiskalte Wasser reicht mir bis zum Hals. Was folgt, ist ein völliger Schock. Wie ein Blitz fährt die Kälte in die Glieder.
„Atmen, ruhig, tief und langsam!“ Ich folge den Anweisungen meiner Eisbade-Mentorin, die ihr Wissen beim weltbekannten Eisbade-Experten Wim Hof erlernt hat. Der Niederländer kombiniert Eisbaden mit Atemtechniken, die den Körper in die Lage versetzen, das kalte Wasser zur Stärkung des Immunsystems zu nutzen.
Ruhige, lange und tiefe Atemzüge. Volle Konzentration. Nur der Atem zählt. Zwar höre ich Vögel zwitschern, spüre die Sonne im Gesicht, bemerke ein, zwei Spaziergänger, die am Pool vorüber gehen. Doch langsam verblassen diese Eindrücke. Ich bin ganz bei mir, präsent im Augenblick. Mein Puls verlangsamt sich. Fast scheint es mir, als würde ich das kalte Wasser nicht mehr wahrnehmen, als schwebe ich schwerelos wie eine Astronautin im All.
Ich kann es kaum fassen, das eiskalte Wasser bringt mich sogar zum Lachen. Setzt Kälte tatsächlich Endorphine frei?
Nach zwei Minuten ist alles vorbei. Euphorisiert, glücklich und voller Stolz steige ich aus dem Pool. Dieses berauschende, überglückliche Gefühl begleitet mich für den Rest des Tages. Kein Wunder, dass Eisbaden bei Biohackern so hoch im Kurs steht. Dieses nachhaltige Glücksgefühl beflügelt und macht definitiv Lust, bald wieder ins Eisbad zu steigen.
Biohacking Bad Dürrheim
Wer Biohacking kennenlernen möchte, ist in Bad Dürrheim am Ostrand der Ferienregion Schwarzwald an der richtigen Adresse. Hier finden regelmäßig Biohacking-Workshops statt, die Eisbaden mit Atemtechniken, Yoga, Ernährung und Waldbaden verbinden. Monatlich gibt es einen Eisbade-Workshop, auf Anfrage auch exklusive Atemsessions. Alle Infos und Termine unter www.biohacking-bd.com
Tipp: Biohacking Congress vom 11. bis 13. September 2026 mit Vorträgen und Workshops rund ums Biohacking.