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Osterbrunnen Ihringen und ehrenamtliche Helfer

Mariannes Osterbrunnen.

Marianne Meier

Marianne Meier (im Foto oben mittig in der rosa Jacke) ist eine engagierte und tatkräftige 71-Jährige. Der Kaiserstühlerin zum Dank wird der Stockbrunnen in Ihringen jedes Jahr zum imposanten Schmuckstück und zum Hingucker für Gäste und Einheimische in der Region. Was wäre Ostern am Kaiserstuhl, ohne den festlich geschmückten Ihringer Osterbrunnen? Ganz bestimmt würde etwas fehlen! 

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Gelebte Tradition

Wozu Osterbrunnen?

Es ist ein Brauch, den man eher aus dem Schwäbischen oder Bayerischen kennt. Aber auch im Schwarzwald sind Osterbrunnen nicht ungewöhnlich. Der Hintergrund für das Schmücken von Brunnen und Quellen liegt vor allem in der Bedeutung des Wassers als lebenspendendes Element. Und Wasser ist in der Weinregion am Kaiserstuhl wahrlich goldwert. Wie sonst könnten an den sonnigen Hängen so gute Weine wachsen? Die Eier sind das Symbol für Fruchtbarkeit. So wird der Brauch als Dank und als Bitte um Wasser und Leben interpretiert, sagt Marianne Meier. 
Warum also nicht einen zentralen Brunnen im Dorf zum Dank beschmücken? Das dachte sich Marianne Meier. Denn leider wurde der Brauch, wie es diesen in der Vorkriegszeit schon einmal gab, lange ausgesetzt. Nach dem Krieg waren nämlich Hühner- und Gänseeier rar – der Brauch starb aus. Erst vor 16 Jahren kam der Osterbrunnen zurück an den Kaiserstuhl. Als die heute 71-jährige Ihringerin damals in Franken im Urlaub war, haben es ihr die Buchsbaumkränze mit den bunten Eiern über den Brunnen angetan. So entstand die Idee, den Brauch wieder nach Ihringen zu holen.

Der Osterbrunnen in Ihringen ist ein festes Brauchtum.
Der Osterbrunnen in Ihringen ist ein festes Brauchtum. – © Johannes Meger Photography

 

Gemeinsam mit zwölf Frauen von der Strickrunde der Trachtengruppe und weiterer männlicher Helfer, lädt Marianne Meier jährlich in der Woche vor Ostern zum gemeinsamen Schmücken ein – egal ob bei Sonne, Regen oder Schnee.

Fürs Dekorieren werden Buchsbaumzweige, Koniferen oder Thujazweige auf ein Drahtgestänge geflochten. Daran werden bis zu 2500 Eier befestigt, die zum Teil von Senioren aus dem Ihringer Tagestreff „Wohlfühlinsel“ ausgeblasen und bemalt werden. Die Zweige und Eier werden aus dem Erlös des Weihnachtsbazars der Trachtengruppe finanziert.

Wie geht's weiter?

Tradition erhalten

Schade findet Marianne Meier, dass es Leute gibt, die offenbar Spaß daran haben, die Deko zu zerstören und Eier zu klauen. Ein weiteres Problem: Es gibt immer weniger Buchsbaumzweige, weil viele vom Buchsbaumzünsler befallen sind. Der Buchsbaumzünsler ist ein Falter, der Buchsbäume befällt und diese vollständig zerstören kann. Er legt seine Eier hauptsächlich an den äußeren Blättern des Buchsbaums ab. Die einzige Lösung sind Koniferen und Thujas als Ersatz. 

Das Hauptproblem aber ist, dass die fleißigen Helfer zum Schmücken weniger werden und es keinen Nachwuchs gibt. Anders als beim Musikverein in Ihringen, der sich beim Nachwuchs nicht beschweren kann, findet der Trachtenverein immer weniger neue Mitglieder. Marianne Meier freut sich über jede tatkräftige Unterstützung!

Der Ihringer Osterbrunnen feiert in diesem Jahr sein 17-jähriges Bestehen. Er ist ohnehin ein seltener Anblick am Kaiserstuhl, denn an keinem anderen Dorfbrunnen im Umkreis gibt es einen Osterbrunnen. Marianne Meier und ihr Mann hoffen, dass der Brauch weiter bestehen bleibt und noch viele Besucher erfreuen wird. 

 

Text:     Iris Huber
Bilder:  Johannes Meger Photography