Häufige Suchbegriffe

Martin Wrangler

Der Kabarettist.

Martin Wangler

Der Schwarzwälder setzt sich als Schauspieler, aber allen voran als Kabarettist in seinem künstlerischen Schaffen mit dem Schwarzwald auseinander – und ganz dezidiert auch mit dem „Heimat“-Begriff. Was also ist „Heimat“ für den Breitnauer? 
Wangler nimmt das Wort in den Mund, kaut darauf herum, fährt sich durch seinen Dreitagebart und sagt erst mal eine Weile nichts. Dann lässt er die zerkleinerten Teile des Wortes im Raum stehen und blickt ihnen hinterher. „Heimat“? „Ein Gefühl; ein Dialekt; ein Ort; nur durch Symbole zu erfassen; veränderbar.“ Alles als Frage formuliert, nicht als Aussage. Sicher ist nur: „Heimat“ kann für jeden Menschen etwas anderes sein.

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Fidelius Waldvogel in Sonntagskleidung

Auf Heimat-Tour

Fidelius Waldvogel

Darum hat sich Wangler in den vergangenen Jahren immer wieder auf die Spur der „Heimat“ begeben: mit einem alten Eicher-Traktor aus dem Baujahr 1968, im Schlepp einen zur mobilen Bühne umgebauten Waldarbeiterwagen. Diese hat er abends an ausgewählten Orten geöffnet und sein Kabarettstück „Nächste Ausfahrt: Heimat“ präsentiert. Seine Bühnenfigur „Fidelius Waldvogel“ hat einen alemannisch-bauernschlauen Blick auf das Thema. Aber Wangler geht es immer auch darum, sein Publikum nicht nur auf kritisch-humorvolle Weise zu unterhalten, sondern auch gemeinsam zu diskutieren und philosophieren.

So tuckerte er 2016 durch den südlichen Schwarzwald, 2017 nahm er den nördlichen Schwarzwald unter die Stollenreifen seines Oldtimer-Traktors, 2018 setzte er seine erfolgreiche „Heimat-Tour“ durch das Donautal nach Sigmaringen und zum Bodensee fort, um am Oberrhein entlang zurück in seine Schwarzwälder Heimat zu reisen. 2019 hat er den Radius noch einmal erweitert, da ging´s durch ganz Baden-Württemberg.

Was er gelernt hat? „Ich musste feststellen, dass ich den Schwarzwald doch gar nicht so gut kannte, wie ich mir eingebildet habe. Ich habe schöne neue Flecken kennengelernt, oft wurde ich spontan zum Essen oder Kaffee eingeladen. Aber das Interessanteste waren natürlich die Menschen, die ich unterwegs getroffen habe. Nur ein Beispiel: Ein 79-jähriger Schäfer hat mir von seinem Leben erzählt und dabei ganz viel Ruhe ausgestrahlt – da habe ich gemerkt, dass Entschleunigung noch mal was anderes ist als mit Tempo 25 über die Straßen zu tuckern.“

Was ist Heimat

Begriff im Wandel

Und er betont, wie sich der „Heimat“-Begriff schon immer verändert hat. „Als ich als Kabarettist anfing, war der Begriff anrüchig und deutschtümelnd. Jetzt ist „Heimat“ in aller Munde und wird fast schon überstrapaziert. Mich interessiert: Was bedeutet „Heimat“ in der globalisierten Welt für Jung und Alt? Wie ist Heimatleben möglich, wenn es im Dorf keinen Bäcker und Metzger mehr gibt, wenn der Wohnort nur noch zur Schlafstätte wird?“ Auch einen hochinteressanten Moment im Kabarett-Programm hat er ausgemacht – wenn das Publikum ganz still wird. Etwa beim Thema Flüchtlinge und deren verlorener Heimat. „Da weiß ich: Wenn ich die Nadel fallen hören kann, habe ich den Nagel auf den Kopf getroffen.“ Denn mit seiner Ur-Schwarzwälder Dialektfigur will er sein Publikum zum Nachdenken anregen: „Wenn alle in Friede, Freude, Eierkuchen nach Hause gehen und alles vergessen haben, dann unterscheide ich mich nicht mehr von der Schlagerparade.“

Martin Wangler alias Fidelius Waldvogel auf "Heimat-Tour".
Martin Wangler alias Fidelius Waldvogel auf "Heimat-Tour". – © Sebastian Wehrle

Auf der Bühne

Das Multitalent

Seine Auftritte sind immer unterhaltsam, denn seine Denkanstöße trägt er auch gerne musikalisch-lyrisch vor – mit Akkordeon, großer Trommel, Tuba, Gitarre oder mittels Gesang. Das Handwerkszeug hat der 1969 in Breitnau geborene Wangler bei seinem Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst „Mozarteum“ in Salzburg gelernt. Es folgten Festengagements am Staatstheater Oldenburg und am Stadttheater Ingolstadt. Seit 2003 arbeitet er auch für Film und Fernsehen, zu sehen u.a. in der SWR-Schwarzwald-Serie „Die Fallers“, darin spielt er den Gestütsbesitzer und Stammtischbruder „Bernd Clemens“. Als Kabarettist hat er sich seit 2005 einen Namen weit über die Region hinaus gemacht. Als Künstlerischer Leiter gestaltet er auch Jahr für Jahr das Programm des „Hochschwarzwälder Kleinkunst Festivals“ in Breitnau, mit Kabarettshows, Musik- und Theateraufführungen. Und wie man das Schwarzwälder Kulturgut, den weltbekannten Schwarzwälder Speck, richtig isst, kann wohl niemand besser erklären als „Fidelius Waldvogel“ aka Martin Wangler…

Der Fotograf Sebastian Wehrle aus Freiamt hat „Fidelius Waldvogel“ sehenswert als authentischen Schwarzwälder in Szene gesetzt – passend zu den Themenbereichen Heimat, Tradition, Schwarzwald, Wilderei und Skifahren, die Wangler in seinen Kabarettprogrammen bespielt. 

Mehr Informationen zu Auftritten von Martin Wangler gibt es unter www.fidelius-waldvogel.de

 

Text:    Michael Gilg
Bilder: Sebastian Wehrle
             Chris Keller, Schwarzwald Tourismus