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Ein Schlüsselerlebnis, erzählt der 1965 in Waldshut geborene und in Bannholz im südlichen Schwarzwald aufgewachsene Hansen, war seine Reise nach Kambodscha um die Jahrtausendwende. „Da habe ich viel dazugelernt, was Fotografie und den Umgang mit Menschen angeht. Dass man den Dialog sucht, bevor man fotografiert. Und dort habe ich auch die zweite Seite des Fotografierens kennengelernt: Geduld. Man braucht Geduld zum Fotografieren.“ Nicht umsonst gab es früher die Faustregel: Ist ein Fotograf den ganzen Tag unterwegs und bringt ein gelungenes Bild nach Hause, dann war es ein guter Tag.

Hansen kennt die Momente, wenn er sich ein fotografisches Ziel gesetzt hat und dann doch nichts wird aus dem Bild, beispielsweise, weil sich das Wetter anders entwickelt als gedacht. Denn für ein wirklich gelungenes Bild, eines, auf das er stolz ist, braucht es immer auch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren: Dass er seine Kameras und die Drohne in- und auswendig kennt – Grundvoraussetzung. Dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist – Erfahrungssache, Ortskenntnis und ein Gespür für den Moment. Dass er das Auge für das bestmögliche Motiv hat – jahrzehntelanges Entwickeln dieses Blicks und stetiger Lernprozess, „es ist das Allerwichtigste“, sagt Hansen. Dass das Bild am Ende besonders „griffig“ und dreidimensional wirkt – Handwerk, da Hansen alles manuell und im RAW-Format fotografiert und die Bilder am Computer selbst entwickelt. Und der Rest ist dann einfach auch ein kleines bisschen Glück.

Schon in seiner Kindheit und Jugend hat sich Hansen sehr für Fotografie, Reisen und Natur interessiert. „Ich kam aus der Schule nach Hause und bin meist direkt ab nach draußen und hatte auch schon früh einen Fotoapparat“, erzählt er. Dem Wunsch, als Steward um die Welt zu fliegen, steht das Veto seines Vaters und die elterliche Schreinerei entgegen. Hansen macht eine Schreiner-Lehre, aber der Drang hinaus in die Welt bleibt. Nach einer Umschulung zum Reisekaufmann führt Hansen schließlich in Waldshut ein eigenes Reisebüro. Die Kamera ist auch bei Gruppenreisen im Ausland sein steter Begleiter und Hansen entwickelt nach und nach sein fotografisches Auge – als Autodidakt. Zuhause hat er sich ein kleines Fotostudio eingerichtet, experimentiert herum, kauft Bildbände, studiert die Fotosprache der Profis („die haben früher ihre Tricks nicht gerne verraten“), überlegt sich, wie sie was fotografiert haben könnten und probiert einfach aus. Zuerst analog, dann auf Diafilm und schon früh setzt Hansen schließlich auf eine Digitalkamera. „Damit waren die Entwicklungskosten kleiner und ich konnte leichter aus Fehlern lernen.“

 

Und dann, so ums Jahr 2000 herum, fängt Hansen an, den Schwarzwald zu fotografieren. Zuerst rund um Höchenschwand, dann im Hotzenwald, in der Belchenregion, im Hochschwarzwald, schließlich im ganzen Schwarzwald – dankbare Abnehmer seiner Bilder sind viele touristische Organisationen wie die Schwarzwald Tourismus GmbH oder auch Wirtschaftsunternehmen wie die Rothaus-Brauerei. Und nun sind seine Bilder erstmals auch in Buchform zu sehen (siehe Kastentext „Wilde Bergwelt im Südwesten“). Dass seine Bilder im touristischen Kontext als Eyecatcher auftauchen, auf Internetseiten, in Magazinen, Prospekten, Reiseführern oder als überdimensionale Poster, erfülle ihn mit Stolz, sagt Hansen. Denn die Fotografie ist „nur“ sein liebstes Hobby. Im Hauptjob arbeitet er nach 20 Jahren Reisebüro nun als Busfahrer im Linien- und Reiseverkehr. „Ich bin leidenschaftlicher Fotograf, aber wenn ich allein damit mein Geld verdienen würde, müsste ich vielleicht Sachen fotografieren, auf die ich keine Lust habe – und das möchte ich nicht“, sagt Hansen. „Ich habe zudem den schönsten Arbeitsweg der Welt: Ich wohne im Dreisamtal, arbeite im Münstertal und fahre so immer über den Schauinsland und den Stohren. Gerade am Stohren sind oft unglaubliche Lichtstimmungen.“ Eine Kamera hat er eigentlich immer dabei – und wenn der Moment passt, so fängt Hansen ihn ein.

„Jedes gute Bild hat eine Geschichte und Emotion“, sagt Hansen. Und genau das sei auch sein Anspruch an seine Motive, ob Landschafts-, Porträt, Makro- oder Nachtfotografie – „ich will mit meinen Bildern Geschichten erzählen“. Er besitzt über 20 Festplatten voller Bilder und schätzt sein Repertoire auf rund drei Millionen Fotografien. „Ich weiß trotzdem genau, in welchem Zeitraum ich welche Motive fotografiert habe und auf welcher Festplatte sie liegen. Diesbezüglich habe ich ein extremes Gedächtnis und kann mich an fast alle Bilder erinnern, wann ich wo und wie gestanden bin.“ Dass er viel von der Welt gesehen hat, helfe ihm beim Fotografieren. „Reisen bildet. Jede Reise ist für mich eine Erinnerung und ein Lernprozess. Wer auch auf Kleinigkeiten und eher verborgene Dinge achtet, wird belohnt.“ Letztlich sei ein Fotograf auch eine Art Chronist, der den Wandel festhält.

Sein Wissen und seine Erfahrungen, auch in der Nachtfotografie mit ihren besonderen Herausforderungen, gibt Hansen übrigens auch gerne weiter. Immer mal wieder bietet er Theorie- und Praxiskurse an, „man kann mich zudem auch einfach anschreiben und dann gehe ich, wenn es zeitlich passt, gerne mit zum Fotografieren“, sagt er. Heute sei es auch leichter, alle technischen Daten eines guten Bilds herauszufinden, auch darüber lasse sich viel lernen. „Ich führe die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gerne an einige der schönsten Plätze des Schwarzwalds und helfe gerne dabei mit, dass sie mit tollen Bildern nach Hause gehen.“ www.klaus-hansen.de

Text: Michael Gilg
Bilder: Klaus Hansen

Cover Wilde Bergwelt im Südwesten

Buchtipp:

Wilde Bergwelt im Südwesten

Seine Foto-Kunst hat Klaus Hansen nun erstmals auch einfließen lassen in das Buch „Wilde Bergwelt im Südwesten“ (ET 29.11.2023) im J. Berg Verlag. Das Buch von Herausgeber Philipp Sauer mit Fotografien von Klaus Hansen und Thomas Rathay zeigt auf knapp 200 Seiten einzigartige Landschaften, majestätische Berge und Täler sowie faszinierende Begegnungen im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb – von Lost Places entlang der Schwarzwaldhochstraße über Traditionen wie Viehabtrieb, Flößerei und Fasnet bis zu Bergsport-Abenteuern in Wildwasserströmen, auf Klettersteigen oder beim (Eis-)Klettern. 

Das Buch "Wilde Bergwelt im Südwesten" ist hier erhältlich. 

Mich fasziniert am Schwarzwald seine Geschichte, das Mystische und wie alt er ist.

Klaus Hansen

Klaus Hansen über…

…Lieblingsorte im Schwarzwald:

„Ich mag gerne kleine, idyllisch gelegene Orte wie die Marienkapelle in Höchenschwand oder die Ödlandkapelle in Herrischried. Wenn ich Kraft tanken will, gehe ich in den „Zauberwald“ in Bernau. Da lasse ich manchmal sogar die Kamera im Auto, genieße und spüre einfach nur die Natur. Gerne frühmorgens, spätabends oder auch mal in der Nacht. Das Donautal habe ich jetzt relativ neu für mich durch das Buchprojekt entdeckt.“

…den Schwarzwald als Fotokulisse:

„Mich fasziniert am Schwarzwald seine Geschichte, das Mystische und wie alt er ist. Zum Schwarzwald gehören verschiedene Regionen, in jedem Gebiet sieht es wieder anders aus, Schwarzwald ist nie zweimal das Gleiche. Besonders toll fand ich schon immer das Alpenpanorama, damit bin ich aufgewachsen. Ich fahre dafür extra auf den Belchen oder den Feldberg hoch, um das zu genießen. Im Süden mag ich die Graslandschaften und die schönen Weitsichten in die Täler, auch Tiere kann man dort ganz gut fotografieren. Der mittlere Schwarzwald ist für mich persönlich zum Fotografieren nicht ganz so spannend. Im Norden gibt es extrem viel Wald, Moorgebiete und der Mummelsee hat etwas Magisches, auch die Hornisgrinde mit dem verrückten Wetter gefällt mir.“

…technische Tipps:

„Auch mit einer kleinen Kamera kann man gute Bilder machen, wenn man sie gut beherrscht. Die Linse ist immer noch wichtiger als der Fotoapparat, der hintendran hängt. Gerade bei den Objektiven machen die Leute öfter den Fehler, das einfachste und billigste zu nehmen. Ich lege großen Wert auf gute Linsen, das macht dann auch den Unterschied. Wichtig für ein gutes Bild ist nicht unbedingt nur die Qualität der Kamera, sondern immer noch das Auge und das Beherrschen der Einstellungen.“

…No-Gos:

„Ich fotografiere nie in der Programmautomatik, sondern immer manuell. Außer der Entfernung von Sensorflecken oder mal einem Flugzeug mit Kondensstreifen ist in meinen Bildern keine Bearbeitung. Ein gutes Bild muss authentisch sein, wie ich es mit meinen Augen wahrgenommen habe. Leider nehme ich immer öfter wahr, dass der Respekt für die Natur weniger wird: Mal sind es Drohnen in einer Drohnenflugverbotszone, mal werden unter Schutz stehende Wiesen unerlaubt betreten oder Lagerfeuer an absolut ungeeigneten Orten gemacht. Ich halte mich an die Regeln. Ich respektiere den Naturschutz – und wenn ich darum irgendwo nicht hingehen darf, dann gibt es dieses Bild einfach nicht.“

…einen Erlebnistipp:

„Seit der zweiten Ausgabe der Mundologia bin ich im Orga-Team mit dabei. Bei den Vorträgen sind nicht nur wunderschöne Bilder zu sehen, sondern auch einige der weltbesten Referenten zu erleben.“ Infos zur 20. Mundologia-Saison: www.mundologia.de

Klaus Hansens

Lieblingsbilder

Höchenschwand über dem Nebel

„Da hatte ich das nötige Quäntchen Glück. Ich wollte den Sternenhimmel fotografieren, bin um 2 Uhr aufgestanden. Ich war auf verschiedenen Hochebenen, aber überall war es neblig. In Höchenschwand bin ich dann auf den Zäpfle-Turm hoch (ich habe einen Schlüssel dafür), der Nebel zieht hoch, die Sonne geht auf und nur der Kirchturm guckt aus dem Nebel raus. Da war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatte die notwendige Geduld. Solch ein Bild wird so schnell niemand anderes machen können.“

Klettern am Kandel

„Das ist ein Bild aus dem Buch „Wilde Bergwelt im Südwesten“. Durch die Perspektive sieht es so aus, als ob auch ich wie die Kletterin an der Kandel-Wand hänge, aber ich stehe auf einem Felsvorsprung.“

Marienkapelle Höchenschwand

„Ich bin in Höchenschwand zur Schule gegangen, kenne die Gegend dort sehr gut. Die Marienkapelle liegt wunderschön und ist einer meiner Lieblingsorte. Im Mai/Juni steht die Milchstraße gewissermaßen perfekt über der Kapelle.“

Schneelandschaft in St. Peter

„Die Platte bei St. Peter ist ein tolles Wandergebiet mit Blicken in die Vogesen und den Schwarzwald. Dort ist auch das bekannte Bild für die Badische Staatsbrauerei Rothaus entstanden.“

Wetterbuche am Schauinsland im Schnee

„Diesen Wunsch hatte ich sehr lange: Die Wetterbuchen am Schauinsland mal ganz frisch verschneit, noch ohne jegliche Spuren, fotografieren zu können. Morgens um 6 Uhr hatte es nochmal geschneit, ich bin dann hinter dem Schneepflug zum Schauinsland hochgefahren, das hat ewig gedauert. Mit meinen Schneeschuhen bin ich dann vorsichtig weiter und schließlich hatte ich mein Bild im Kasten. Als ich gegen 11 Uhr wieder runter bin, kam schon eine ganze Horde den Berg hochgefahren, da wäre solch ein unberührtes Bild nicht mehr möglich.“

Blitz in Bannholz

„Das ist fotografiert vom Gupfen in Bannholz abends zur Blauen Stunde, rundum hat es geblitzt, meine Frau hatte Angst. In der Belichtungszeit von 30 Sekunden sind zwei Gewitterzellen aus der Wolke gekommen, es handelt sich also um ein einziges Bild – so eines macht man als Fotograf mit dem nötigen Glück einmal im Leben.“

Kuh am Schauinsland

„Oben auf dem Schauinsland habe ich die Kühe beobachtet. Für die vorbeikommenden Wanderer haben sie sich überhaupt nicht interessiert, aber als ich mit meiner Kamera kam, sind sie direkt zu mir hergelaufen. Fotografiert mit Superweitwinkel 14 Millimeter im Vollformat – die Kuh steht einen Zentimeter von meiner Linse entfernt.“