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Sulzburger Burefasnet

Der Zunftvogt.

Jogi Birkenmaier

Im Schwarzwald sind die Narren los. Die berühmte „fünfte Jahreszeit“ ist aber anders als der Karneval am Rhein: Im Südwesten bestimmen die Bräuche der schwäbisch-alemannischen Fasnet das närrische Treiben. Joachim „Jogi“ Birkenmaier ist der 7. Zunftvogt der „Bohrer“-Zunft in Freiburg-Günterstal. Im Interview gewährt uns der Zunftvogt Einblicke ins närrische Geschehen und beleuchtet die Hintergründe der schwäbisch-alemannischen Fasnet. 

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Der 7. Zunftvogt der "Bohrer"-Zunft in Freiburg-Günterstal.
Der 7. Zunftvogt der "Bohrer"-Zunft in Freiburg-Günterstal. – © Schwarzwald Tourismus

Was steckt hinter der "Larve"?

Fasnetsgeflüster

Jogi Birkenmaier, wann beginnt denn nun die schwäbisch-alemannische Fasnet?

Streng genommen und außerhalb der Vereinslokale beginnt die schwäbisch-alemannische Fasnet am 6. Januar, also an Heilig Dreikönig. Aber am 11.11. wird die schwäbisch-alemannische Fasnet feierlich eröffnet, allerdings ohne „Häs“. An diesem Tag wird das „Fasnetmotto“ bekanntgegeben. Alle Zünfte der Breisgauer Narrenzunft, aber auch Privatpersonen können dazu einen Spruch oder Reim einreichen. 2019 verständigten sie sich schließlich auf das Motto: „Oft setzt man auf das falsche Pferd, an Fasnet liegsch Du nie verkehrt!“

Aha. Und was geschieht am 6. Januar?

An diesem Tag wird bei uns wie bei den anderen Zünften „das Häs abgestaubt“. Den organisierten Narren ist es ab diesem Tag erlaubt, das „Häs“ zu tragen. Das Narrenkostüm hing ja seit dem letzten Aschermittwoch im Schrank oder unterm Dach. Und früher waren die Schränke nicht so staubdicht. Deshalb mussten die Sachen erst mal abgestaubt werden. An Dreikönig trifft man sich im Vereinsheim. Dort werden dann Häs und Maske den aktiven Mitgliedern ausgehändigt.

 

Woher kommt eigentlich der Zunftname „Bohrer“?

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Die Vereine der „Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte“ (VSAN) nahmen sich schon immer auch gerne selbst auf die Schippe. So orientieren sich die Namen oft an den Besonderheiten des Ortes. Schon die Namen wären eine eigene Geschichte. Als unsere Zunft 1935 gegründet wurde, gab es einen wahren Hype im Südwesten: Überall wurde nach Thermalquellen gebohrt! Auch die „Günterstäler“ wollten eine Therme! Aber bei Bohrungen am Fuß des Schauinsland fanden sie immer nur rostrotes eisenhaltiges Wasser. Und so kam die Zunft zu ihren Farben.

Kommen daher auch die verschiedenfarbigen Stoff-Flecken auf dem Häs?


Genau: Die roten Fleckle stehen für das rostrote Wasser, „grün“ für die Wiesen und „schwarz“ für den Stahl der Bohrtürme. Das ist unser „Flecklehäs“. Dazu gehört dann noch die Holzmaske mit gedrehter Nase und schelmischem Zungenschlag, schwarze Handschuhe mit Schellen und ganz wichtig: Der übergroße Bohrer in der Hand. Der Zunftvogt hat auf seinem Bohrer noch zusätzlich eine kleine Bohrerkopf-Figur.

Der Dresscode

Das Bohrer-Häs

Darf jeder das Bohrer-Häs tragen?

Ein neues Mitglied darf erst mal zwei Jahre „hospitieren“: Er oder sie nimmt in dieser Zeit im Zunftpulli an allen Veranstaltungen teil. Nach den zwei Jahren entscheidet die Gemeinschaft, ob der Anwärter oder die Anwärterin aufgenommen wird. Ein kleiner mündlicher Wissenstest gehört auch dazu! Theoretisch kann ab dem 18. Lebensjahr jeder „Bohrer“ werden, den unsere Gemeinschaft akzeptiert. Oft sind die Kinder von Mitgliedern der Zunft aber schon von klein auf dabei.

Und wie teuer ist ein Häs?

Ein gebrauchtes Häs liegt so bei 500 Euro, ein neues bei gut 1500 Euro, wenn es individuell bei einer Näherin angefertigt wird. Bei uns und auch bei vielen anderen Zünften gibt es einen „Häswart“. Er kümmert sich um Mängel und Reparaturen, damit immer alle „Fleckle“ am richtigen Fleck sind. Zu Häs, Maske, Bohrer und Handschuhen mit Schellen bekommt man nach dem ersten Jahr als Hästräger den sogenannten „Sparren“: Eine Kette mit Narrenanhänger um den Hals. Erst dann ist man ein richtiger „Bohrer“.

 

Straßenfasnet der Zunft der Bohrer

Welche Aufgaben hat der Zunftvogt? Und wie wird man Zunftvogt?

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Das Repräsentieren der Zunft ist natürlich die Hauptaufgabe, dazu das Organisieren von internen Treffen, Teilnahme an Sitzungen der Breisgauer Narrenzunft, an Vögte-Stammtischen, Ehrungen der Altvögte. Übers Jahr sind das pro Monat  schon vier bis sechs Verpflichtungen als Zunftvogt. Ich bin seit 33 Jahren ein „Bohrer“ – und vor zehn Jahren habe ich einfach die Hand gehoben und mich zur Wahl gestellt. Eine Zunftvogt-Periode dauert 3 Jahre. Ab dem 11. Jahr kann man Oberzunftvogt werden. Das ist eine Ehrung von der Breisgauer Narrenzunft.

Wie viele Veranstaltungen besuchen die „Bohrer“ während der närrischen Zeit?

Schon im Herbst legen wir fest, welche Veranstaltungen und Jubiläen wir besuchen. Und welche Einladungen anderer Zünfte wir annehmen wollen. Die besuchen wir dann oder sie besuchen uns. Besonders hoch her geht es ab dem 6. Januar. Bis Aschermittwoch stehen dann mindestens zwei Veranstaltungen pro Woche im Terminkalender.

 

Wie sind die „Bohrer“  innerhalb der schwäbisch-alemannischen Fasnet organisiert?

Die „Bohrer“-Zunft ist Mitglied in der Breisgauer Narrenzunft (BNZ) in Freiburg. Zur BNZ zählen 34 Narrenzünfte. Woran man sieht: Freiburg ist eine Hochburg der Fasnet. Besonders schön ist die Vielfalt der Hästypen. Die BNZ wiederum ist im Verband Oberrheinischer Narrenzunft organisiert. Zu ihr zählen 80 Mitgliedszünfte im Südwesten.

Was ist Ihr persönliches Highlight bei der Fasnet?

Ganz klar der „Schmudo“, der Schmutzige Donnerstag vor dem Aschermittwoch. Da beginnt die Hochphase der Straßenfasnet. In Freiburg-Günterstal geht es um 7 Uhr morgens mit dem „Wecken“ los“ Wir ziehen mit Rätschen, Narrenmusik, Narri-Narro-Rufen, rasselnden Schellen an den Handschuhen durch den Ort, machen Radau und verteilen Bonbons. Wir lassen uns dabei schon gerne bei Günterstälern zu Hause einladen. Danach gibt es einen Umzug und wir besuchen zwei Kindergärten und eine Schule, wo die Freude immer riesig groß ist.

Am Nachmittag treffen wir uns mit allen Zünften der BNZ in Freiburg zum „Sturm auf das Rathaus“. Zurück in Günterstal wird am Bohrerbrunnen der „Ignaz“ ausgegraben. Er steht bei uns symbolisch für die Fasnet. Die Ausgrabung machen die „Täuflinge“, das sind die Anwärter auf den „Sparren“. Den bekommen sie dann am Abend feierlich verliehen und der macht sie zu richtigen „Bohrern“. Ein schöner Moment!

Straßenfasnet der Zunft der Bohrer
Straßenfasnet der Zunft der Bohrer – © Zunft der Bohrer

 

„Bohrer“-Zunft:

Die Zunftstube der „Bohrer“ und auch anderer Zünfte ist in der Turmstraße 14 in Freiburg. Dort gibt es ein kleines „Narrenmuseum“, das die Geschichte der Freiburger Fasnet und der Zünfte zeigt. Geöffnet ist jeden Samstag von 10 bis 14 Uhr. Und da kann man den Vogt auch mal persönlich antreffen.

Schwäbisch-alemannische Fasnet:

Wer die schwäbisch-alemannische Fasnet im Schwarzwald authentisch erleben will, hat dazu in vielen Orten zwischen dem Renchtal im Norden und der Schweizer Grenze im Süden Gelegenheit. Egal wie kalt der Winter werden mag: Tanzen, Wurst, Glühwein, das Schnurre und Schnaige in den Kneipen und das Gedrängel halten warm. Die „hohen Tage“ der Straßenfasnet sind 2020 vom 20. Februar (Schmutziger Donnerstag) bis 26. Februar (Aschermittwoch). Wer am Aschermittwoch noch nicht genug von der schwäbisch-alemannischen Fasnacht bekommen hat, sollte nach Weil am Rhein am Südwestrand des Schwarzwalds weiterziehen: Dort geht es mit der „Buurefasnet“ am Sonntag nach Aschermittwoch beim Umzug der „Hästräger“ und „Guggemusiker“ erst so richtig zur Sache – und im benachbarten Basel beginnt am Tag darauf um 4 Uhr morgens der 72 Stunden lange „Morgestraich“. Mehr Infos unter Tel. 0761.896460.

 

Text:     Gaby Baur
Bilder:  Zunft der Bohrer