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Mich freut, wenn Menschen Interesse an Natur haben und sie gerne draußen unterwegs sind.

Martin Schwenninger

 

 

Um mal gleich mit zwei vermutlich weitverbreiteten Vorstellungen aufzuräumen: Ein Ranger ist nicht nur draußen unterwegs, sondern muss auch Büroarbeit erledigen. Und natürlich kümmert er sich um den Naturschutz – aber da gilt es ständig, zwischen unterschiedlichen Zielen und je nach Gebiet Entscheidungen zu treffen. Am Beispiel der abenteuerlichen, urwüchsigen Wutachschlucht im Süden der Ferienregion Schwarzwald heißt das beispielsweise: Übernähme der Wald komplett die Regie, gäbe es nicht mehr die typischen Hochstaudenfluren, deren Brennnessel-, Eisenhut- und Pestwurzblätter wiederum wichtiger Lebensraum sind für Falter, Käfer und Spinnen. „Diese Abwägung, welcher der Naturräume an genau jener Stelle Vorrang genießt, finde ich sehr spannend an meinem Beruf“, sagt Martin Schwenninger.

Wutach-Ranger
– © Klaus Steegmüller

 

Seit 2004 ist der gebürtige Bonndorfer (Jahrgang 1957) der Wutach-Ranger. Und natürlich kennt er das Gebiet wie seine sprichwörtliche Westentasche. Aber geprägt haben ihn auch die Jahre und Aufgaben fernab der Heimat: Mit 15 verlässt er die Region, arbeitet als Förster und in der Forstverwaltung in Baden-Württemberg und verbringt neben vielen Reisen auch 2,5 Jahre in Westafrika. „Mich reizt seit jeher, wie andere Länder Naturschutz auslegen und interpretieren. Deutschland ist im Vergleich zu Frankreich und Spanien sehr dicht besiedelt, da lassen sich Naturräume eigentlich kaum abriegeln.“ Was dann im Corona-Jahr – und Schwenninger geht davon aus, dass der Run auf die Natur anhalten wird – auch negative Auswirkungen hat. „Prinzipiell freuen wir uns als Ranger und Naturschützer, wenn bei den Menschen ein Interesse an Natur besteht und sie gerne draußen unterwegs sind“, sagt er. „Aber wenn alles zugeparkt ist und die Menschen fernab der Wege in Schutzgebieten unterwegs sind, dann müssen wir gegensteuern.“

wenn der Wald ruft

Die Natur als Beruf

Zu den Aufgaben von Schwenninger und seinen Kollegen zählt also auch, mittels Schildern, Tweets (@Wutachranger), Wanderkarten, Tipps, aktuellen Streckensperrungen und Co. die Besucherströme zu „lenken“. Unverzichtbar ist dafür aber auch, ins Gespräch mit den Wanderern, Ausflüglern oder Familiengruppen zu kommen, Fragen zu beantworten und auf eventuelles Fehlverhalten hinzuweisen. „Viele reagieren sehr verständnisvoll und sind eher aus Unwissenheit auch fernab der Wege unterwegs“, erzählt Schwenninger. „Für uns geht es primär darum, ein Verständnis für die Natur und den Sinn der Naturschutzregelungen bei den Menschen zu schaffen. Gehen die Besucher beispielsweise auf die für die Wutachschlucht typischen Kiesinseln, dann fliegt und brütet dort der Eisvogel nicht mehr – und das muss man wissen, da der Eisvogel ein scheues Tier ist und man ihn deshalb wahrscheinlich gar nicht sieht.“ Zentral sei, sagt Schwenninger, die Natur mit dem gebotenen Respekt zu erleben. Eine Übersicht der wichtigsten Regeln gibt es unter www.respekt-schwarzwald.info

Wutachschlucht
– © Martin Schwenninger

wildromantisch

Die Wutachschlucht

 

Die Faszination der Wutachschlucht mit ihren romantischen Schluchten und urwüchsigen Wäldern zeigt Schwenninger gerne bei Führungen. Besonders spannend findet er dabei, seine Teilnehmer nach ihren Beweggründen zu fragen, draußen unterwegs zu sein – so kann er sein Wissen individuell passend weitergeben. Ist er im Frühjahr und Sommer auch an den Wochenenden häufig in der Fläche unterwegs, stehen vor allem die Wintermonate im Zeichen der Büroarbeit. Um neue Schwerpunkte zu setzen für die Führungen des kommenden Jahres, um Printprodukte und die Homepage zu überarbeiten und für die überall anfallenden bürokratischen Arbeiten. „Insgesamt gesehen arbeite ich wohl zu 50 Prozent draußen, den Rest im Büro.“

In seiner Freizeit zieht es ihn verständlicherweise oftmals aus der Wutachschlucht hinaus. „Sonst schaltet man nie ab“, lacht er, „klassisches Problem aller Ranger“. Gerne ist er dabei mit seiner Fotokamera unterwegs. Besonders interessiert ihn das Zusammenspiel von Natur und Tierwelt. „Für ein gutes Bild braucht man Zeit, denn der Vogel fliegt nicht auf Knopfdruck vorbei und nur wer aufmerksam und langsam geht, sieht vielleicht den Biber.“ Und mit ähnlichen Attributen lässt sich wohl auch der passionierte Radfahrer Schwenninger als Mensch beschreiben: in sich ruhend, fokussiert, nahbar, über den Tellerrand blickend. Mehr Infos unter www.wutachschlucht.de

 

Text: Michael Gilg
Veröffentlichung: 2021
Bilder: Martin Schwenninger, Klaus Steegmüller