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Ralf Dujmovits im Montafon

Der Höhenbergsteiger.

Ralf Dujmovits 

Der Schwarzwälder gehört zu den erfahrensten Höhenbergsteigern weltweit: Als erster Deutscher hat er alle vierzehn 8000er bestiegen. Sein bevorzugtes Trainingsareal? Der Schwarzwald!

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Porträt Ralf Dujmovits

Im Höhenrausch

Wege zum Gipfel

Seine ersten Kletterversuche hat Dujmovits (Jahrgang 1961) schon früh unternommen: „Als achtjähriger Bub war ich öfter im Achertal bei Ottenhöfen mit meinem Vater klettern. Und auch an den Battertfelsen nördlich von Baden-Baden – da klettere ich auch heute noch oft.“ Nach seinem Abitur reiste er ein Jahr lang durch die Andenstaaten Südamerikas. Nach abgebrochenem Medizin-Studium absolvierte Dujmovits schließlich von 1985 bis 1987 die Ausbildung zum staatlich geprüften Berg- und Skiführer. Der Öffentlichkeit wurde er durch die 33-stündige Live-Übertragung einer Durchsteigung der Eiger-Nordwand bekannt. 22 Jahre lang leitete er das Unternehmen „AMICAL alpin“, europäischer Marktführer im Bereich professionell geführter Expeditionen. Im Januar 2012 übergab er das Unternehmen in die Hände von Dominik Müller in Oberstdorf.

Noch immer reist Dujmovits mit seiner kanadischen Frau Nancy Hansen zum Klettern viel in der Welt herum – zu weniger bekannten Alpenrouten, zum Sportklettern nach Laos, Spanien oder Griechenland sowie an unbekannte 7000er im Himalaya oder Karakorum. „Aber je länger ich unterwegs bin, desto lieber komme ich wieder in den Schwarzwald zurück“, sagt er. Denn neben Familie und Freunden finde er dort ein ideales Trainingsareal vor: „Ich kann im Schwarzwald klettern, Bergläufe machen, mountainbiken, schwimmen und im Winter langlaufen oder am Feldberg auf Skitour gehen. Zudem kann man am Wiedenfelsen bei Bühl auch Eisklettern.“

„Als achtjähriger Bub war ich öfter im Achertal bei Ottenhöfen mit meinem Vater klettern. Und auch an den Battertfelsen nördlich von Baden-Baden – da klettere ich auch heute noch oft.“ 

Ralf Dujmovits

 

 

Vorsicht ist bei diesen Hobbys essenziell, passieren aber kann immer etwas: Im September 2019 hatte Dujmovits auf seinem Mountainbike einen Unfall mit einem Motorradfahrer. Eine schwere Gehirnerschütterung, Prellungen und Schürfwunden waren die Folge, glücklicherweise hat sein Helm ihn vor noch schlimmeren Verletzungen geschützt. Wochen später konnte er wieder klettern.

Den Schwarzwald charakterisiert er als spannendes Klettergebiet: „Weil man hier weniger reines Sportklettern betreibt und es alpiner zugeht.“ Man müsse die Routen oftmals selbst absichern. „Das gefällt mir!“

Auch nach unzähligen Erfolgen und dem Besteigen aller 8000er wird für den Bühler die Faszination des Bergsteigens kein bisschen kleiner. „Mich fasziniert die Mischung aus Naturerleben auf der einen und großen (berg)sportlichen Zielen auf der anderen Seite. Ich kann mir immer neue Ziele setzen, der Sport wird nie langweilig. Diese enorme Vielfalt reizt mich.“

Ralf Dujmovits im Gipfelglück.
Ralf Dujmovits im Gipfelglück. – © G. Kaltenbrunner

 

Dabei müssen es für ein erhabenes Gipfelgefühl nicht unbedingt die höchsten Berge sein, findet Dujmovits. „Der Naturgenuss kann auf einem Schwarzwälder Gipfel durchaus genauso groß sein wie auf einem 8000er.“ Besonders liebt er den Blick von der Hornisgrinde auf die Alpen bei gutem Wetter. „Vielleicht kann man die Schönheit der Natur im Schwarzwald sogar mit offeneren Sinnen wahrnehmen, denn die dünne Luft auf den höchsten Gipfeln der Welt macht das Atmen schwer.“ Ganz tief eingebrannt aber haben sich natürlich dennoch die Blicke von einem 8000er-Gipfel nach unten auf eine Gletscherwelt – „das ist unglaublich faszinierend“, sagt Dujmovits. Kein Wunder, dass er diesem Hochgefühl immer weiter auf der Spur ist…

Nachgehakt

Ralf Dujmovits über ...

 

…sein Lieblings-Klettergebiet im Schwarzwald:

Die Battertfelsen oberhalb von Baden-Baden. Hier habe ich meine bergsteigerische Kindheit und Jugend verbracht, hier kenne ich das Gestein sehr gut, die meisten der Routen und fühle mich immer enorm lebendig und sicher. Von meiner Haustüre habe ich gerade mal 20 Minuten zu fahren und genieße von den Felsen nach wie vor den Blick über den Schwarzwald hinunter nach Baden-Baden, hinaus in die Vorbergzone und in die Rheinebene.

…Klettergebiete im Schwarzwald:

Im nördlichen Schwarzwald zum Beispiel die Falkenfelsen bei Bad Herrenalb oder das Gausbacher Straßenwändle im Murgtal bei Forbach. Im südlichen Schwarzwald die Felsen im Albtal bei Albbruck oder der Todtnauer Klettergarten.

…Kletterhallen:

In den letzten Jahren sind im Schwarzwald weitere Kletterhallen dazugekommen. Entlang der Rheinschiene gibt es eigentlich alle 30-40 Kilometer eine Kletterhalle. Karlsruhe hat drei Kletterhallen, in der Kletterhalle in Baden-Baden klettere ich selbst auch oft im Winter. Dann gibt es eine Kletterhalle in Offenburg, zwei in Freiburg und in Weil am Rhein noch eine. Mit Kletterhallen sind wir im Schwarzwald ganz gut versorgt. In Lahr gibt es eine kleine Kletteranlage mit Außenkletterbereich, auch in Offenburg kann man drinnen und draußen klettern.

…Voraussetzungen:

Altersmäßig gibt es eigentlich keine Beschränkung. Man sollte natürlich eine gewisse Sportlichkeit mitbringen. Es gibt aber einen großen Unterschied zwischen Breitensportlern und Hochleistungssportlern: Vor allem am Anfang machen auch Breitensportler schnell Fortschritte. Dann kommt aber ab etwa Kletterschwierigkeitsgrad 6 ein Bereich, wo man ohne regelmäßiges Training zwei- bis dreimal die Woche stagniert.

…Gefahren:

Ganz klar: Klettern birgt Gefahren. Es kann immer was passieren, wenn man nicht aufpasst. Da man sich gegenseitig sichert und somit große Verantwortung trägt, ist es wichtig, bei der Sicherungstechnik immer auf dem aktuellen Stand zu sein.

…Tipps für Anfänger:

Entweder in einer Kletterhalle oder über den Deutschen Alpenverein einen Kletterkurs machen. Je mehr man klettert, desto sicherer wird man.

…Tipps für Fortgeschrittene:

Das in der Kletterhalle erlernte Können auch beim Klettern in der Natur anwenden.

…Tipps für Profis:

Auch als erfahrener Kletterer immer konzentriert bleiben!

 

 

Text:    Michael Gilg
Bilder: Petra Rapp, G. Kaltenbrunner, Nancy J. Hansen