30.03.2022

Naturschutz mit Messer und Gabel

Bei Direktvermarktern und in den Hofläden der Schwarzwälder Landwirte und Erzeuger sind frische Lebensmittel und regionale Köstlichkeiten zum fairen Preis zu kaufen. Intensiver lassen sich die vielfältige Landschaft und ihre Früchte kaum in Genuss verwandeln, als wenn man selbst einkauft – und sich so den Urlaub verlängert. Von Michael Gilg

Naturpark-Wirte

Bei den "Naturpark-Wirten" kommen nur regionale Zutaten in den Warenkorb und auf den Teller. – © Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

Container

Regional und saisonal

 So geht Genuss

Jede Jahreszeit hat ihre Reize, jede ihr eigenes Obst und Gemüse: Wenn die Radieschen wachsen, ist der Frühling da. Werden die ersten Kirschen geerntet, ist der Sommer nicht mehr weit. Weintrauben künden mit ihrer Süße den Herbst mit der Weinlese an. Rosenkohl und Feldsalat schmecken nach Winter. In den Supermärkten sind die Jahreszeiten dagegen längst abgeschafft, im Prinzip ist alles immer erhältlich – weil manche Produkte eine Reise um die halbe Erde hinter sich haben oder unter Einsatz riesiger Energiemengen im Gewächshaus gezogen werden und mit wenig Eigengeschmack im Kühlfach landen.

Wer regional einkauft – ob im Hofladen oder auf einem Marktstand –, findet ein kleineres, weil saisonales Angebot vor. Aber dafür wurde der Spargel meist erst wenige Stunden zuvor gestochen, die Erdbeeren sind frisch gepflückt und das Fleisch kommt aus dem eigenen Stall. Und Marktfrau oder Bauer verraten auch noch, wie und wo die Lebensmittel angebaut wurden, geben Tipps für die Zutaten oder verraten gar ihr eigenes Rezept. Und wenn der Einkauf in die mitgebrachte Stofftüte flutscht, macht sich ein gutes Gefühl breit: Kaum Verpackungsmüll, kurze Transportwege, Wissen um die Herkunft und den Wert der bäuerlichen Arbeit für den Erhalt der Kulturlandschaft. Schon beim nach Hause tragen meint man den Geschmack und die Lebensqualität auf der Zunge zu spüren.

Was die Direktvermarkter und Hofläden im Schwarzwald besonders auszeichnet, ist die große Bandbreite der angebotenen regionalen Produkte: Angefangen bei Honig über Apfelsaft, Wein, Obstbrände, Brot, Bauernhofeis, saisonales Obst und Gemüse bis zu Fleisch und Wildprodukten und vielem mehr. Im südlichen Schwarzwald mit seiner Vielzahl an Weideflächen spielen auch Käse und Milch eine große Rolle – mehr als 1000 bäuerliche Familienbetriebe beliefern etwa das genossenschaftliche Unternehmen Schwarzwaldmilch.

 

Wer zu Fuß oder mit dem Rad im Schwarzwald unterwegs ist, kommt mit ziemlicher Sicherheit auch bei einem Direktvermarkter vorbei. Mal werden Zwetschgen, Birnen oder Saft per offener Kasse direkt am Straßenrand verkauft, mal bietet der Erzeuger seine Waren auf einem der vielen Märkte in der Ferienregion an und manch ein moderner Hofladen lässt den Besucher beim Betreten staunen über die Vielfalt der Produkte und die digitale Vermarktung. Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord verfügt über ein Netzwerk von rund 120 Hofläden und Direktvermarktern, im Naturpark Südschwarzwald schätzt man die Zahl aktuell auf etwa 150. Tendenz steigend. 

Der gesellschaftliche Trend zu mehr Regionalität hat mutmaßlich noch weitere Landwirte davon überzeugt, ihre Waren (auch) direkt zu verkaufen – prinzipiell sei es so, erklärt Jochen Denker vom Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, „dass sich immer mehr Betriebe mehrere Standbeine schaffen, auch im Bereich der Regionalvermarktung“.

Ob die Corona-Pandemie den Direktvermarktern deutlich mehr Zulauf beschert hat, lasse sich pauschal nicht sagen – es hänge auch von der geografischen Lage ab, meint Denker: „Wer einen abgelegenen Hof besitzt, hat wohl eher einen Kundenrückgang verspürt. Stammkunden bleiben zwar meist treu, allerdings fehlen die Urlauber. Zentral gelegene Hofläden und auch der Wochenmarktverkauf haben hingegen gut funktioniert.“

Reichhaltige Auswahl

Naturpark-Märkte

Besonders in den Fokus gerückt werden die regionalen Produkte auch bei den Naturpark-Märkten, die von April bis Oktober im gesamten Schwarzwald viele Besucher anziehen und auch mit einem großen Rahmenprogramm aufwarten. 

Wer genießen, aber nicht selbst kochen möchte, sollte unbedingt bei einem der rund 100 „Naturpark-Wirte“ einkehren: Sie verwöhnen Gäste mit Köstlichkeiten aus dem Schwarzwald und betreiben so „Naturschutz mit Messer und Gabel“.

Eine Übersicht der bei den Naturparken registrierten Hofläden und Direktvermarkter gibt es unter www.naturparkschwarzwald.de und www.naturpark-suedschwarzwald.de

Die Regionalkampagne „Von Daheim“ des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz will Konsumenten verdeutlichen, wieviel Arbeit und Herzblut hinter jedem Produkt steckt. Unter www.von-daheim.de werden darum immer wieder regionale Produzenten porträtiert, aus dem Schwarzwald unter anderem Markus Ell von den Oberkircher Winzern und Markus Kaiser, der in Bernau Bio-Weiderind naturnah und umweltverträglich produziert.

Über den Autor

Michael Gilg

Der Redakteur der Schwarzwald Tourismus GmbH versucht sich seit ein paar Jahren daran, das riesige Wegenetz im Schwarzwald - meist in seiner Freizeit - zu durchwandern. Kurz gesagt: Ganz durch ist er damit noch nicht...
Was er besonders liebt: Auf den Streifzügen eintauchen in die Geschichte, Tradition und Kulinarik der jeweiligen Region. Ins Gespräch kommen und immer wieder staunen, welch tolle Geschichten die Schwarzwälderinnen und Schwarzwälder zu erzählen haben.