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Es ist ein warmer Frühsommertag in Freiburg und die Menschen zieht es in die Natur. Der Schlossberg mit seinen zahlreichen verwunschenen Waldpfaden und dem Blick auf Schwarzwald, Kaiserstuhl und über die Freiburger Altstadt ist eine beliebte Anlaufstelle. Auch Selina Kabis, seit November 2025 die neue Hauptgeschäftsführerin des Schwarzwaldvereins e.V., ist hier gerne unterwegs. Die Hauptgeschäftsstelle liegt am Fuße des Schlossbergs. Da bietet es sich an, die Mittagspause direkt in der Natur zu verbringen, erklärt sie, während sie mit einer Leichtigkeit den schmalen, verwurzelten Pfad hinaufgeht, die vermuten lässt: Die Frau weiß, wie man sich im Gelände bewegt. 

Der Anschein trügt nicht. Aufgewachsen in Schallstadt, war sie schon als Kind Teil des Vereinslebens und begleitete ihre Großeltern stets zu Wanderungen und Hüttendiensten des Ortsvereins Freiburg-Hohbühl. Sie packte im alten, 1928 fertiggestellten Berglusthaus in Bollschweil-St. Ulrich mit an und saß bei Vorstandssitzungen neben ihrem Großvater am Tisch. „Und das ist meine Enkelin Selina“, soll er sie damals vorgestellt haben. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sie sich später selbst im Schwarzwaldverein engagierte, als Fachwartin für Neue Medien im Vorstand aktiv wurde und die Öffentlichkeitsarbeit für den Ortsverein vorantrieb.

„Der Schwarzwald war für mich immer mehr als ‚nur‘ eine Landschaft: Er ist Erholungsraum, Kraftquelle, Kulturlandschaft und Ort von und für Gemeinschaft“, schreibt Kabis, als sie sich den Mitgliedern des Vereins vorstellte. Eine Kraftquelle, die über die Jahre für sie immer wichtiger wurde und einen Kontrast zu ihrem damaligen beruflichen Alltag bildete. 

Selina Kabis bei der Einkehr mit ihren Großeltern im Berglustheim des Ortsvereins Freiburg-Hohbühl in Bollschweil-St. Ulrich
Selina Kabis bei der Einkehr mit ihren Großeltern im Berglustheim des Ortsvereins Freiburg-Hohbühl in Bollschweil-St. Ulrich – © Selina Kabis

 

15 Jahre war sie tief in der Medien- und Nachrichtenlandschaft verankert, zuletzt in leitender Position für Redaktion und Kommunikation der Badischen Zeitung. Hier lernte sie, was es bedeutet, Kommunikation zu steuern, Strukturen zu gestalten und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig prägten Krisen, Kriege und eine Pandemie den Arbeitsalltag. Das Ehrenamt wurde so zum Ausgleich. Ein anderes Tempo, ein anderer Fokus – aber dennoch derselbe Anspruch, Dinge zu gestalten, zu bewegen und zu verändern.

Nach anderthalb Jahrzehnten im selben Unternehmen wuchs der Wunsch nach Veränderung. Als die Stelle der Hauptgeschäftsführung beim Schwarzwaldverein ausgeschrieben wurde, war für sie schnell klar, wo die Reise hingehen soll. „Ich habe mich gerade auf meinen zukünftigen Job beworben“, sagte sie noch am selben Abend zu ihrem Partner.

Zurück am Schlossberg führt Kabis selbstsicher und motiviert durch das Dickicht des Waldes. Die ersten Monate im neuen Amt liegen nun hinter ihr. Zeit zum langsamen Ankommen blieb kaum. Genau das scheint ihr aber entgegenzukommen. Sie ist voller Tatendrang, ist viel unterwegs, besucht Ortsvereine, spricht mit Ehrenamtlichen und verschafft sich Orientierung. Denn der Schwarzwaldverein ist kein zentral gesteuertes Unternehmen, sondern ein Netzwerk aus rund 200 Ortsvereinen mit eigenen Strukturen, Themen und Herausforderungen. Für sie sind diese Ortsvereine aber auch das Herz des Schwarzwaldvereins. Ihre eigene Aufgabe sieht sie darin, zuzuhören, zu verbinden und zu unterstützen. Die Hauptgeschäftsstelle versteht sich als Partner und Dienstleister der Ortsvereine.

Der Schwarzwald war für mich immer mehr als ‚nur‘ eine Landschaft: Er ist Erholungsraum, Kraftquelle, Kulturlandschaft und Ort von und für Gemeinschaft

Selina Kabis

Während wir weiter einen schmalen Pfad hinaufsteigen, geht Selina Kabis souverän voran, passt das Tempo an, und stellt sicher, dass ich ihr weiterhin folge. Sinnbildlich für ihre neue Rolle geht sie nicht unüberlegt voran, sondern legt Wert auf ein gemeinsames Vorankommen.

Am Kanonenplatz angekommen, werden die Wege breiter und übersichtlicher. Doch Kabis biegt wieder ab, auf einem kleinen Pfad möchte sie weiter hinaufsteigen. Die Steine auf dem Weg werden größer, die Wurzeln schlängeln sich über den Pfad und kleine Abzweigungen häufen sich. Ein Weg, bei dem man aufmerksam bleiben muss.

Als ich kurz zögere, ob wir noch richtig sind, beginnt sie – als ahne sie meine Unsicherheit – von einer Wanderung außerhalb des Schwarzwalds zu erzählen, bei der sie sich verlaufen hatte. „Das passiert dir hier im Schwarzwald nicht“, sagt sie. Rund 24.000 Kilometer Wegenetz werden von Wegewarten des Schwarzwaldvereins gepflegt, beschildert und digital dokumentiert. Gelbe Rauten, blaue Rauten oder gar die berühmte rote Raute des „Westwegs“ geben Orientierung und zeigen Wanderern, dass sie auf dem richtigen und vor allem sicheren Weg sind.

Und doch wissen nicht alle von dieser wichtigen Freiwilligenarbeit des Schwarzwaldvereins. Über 250.000 Markierungszeichen und 15.500 Wegweiser müssen gepflegt werden. Mehr als 1.000 zertifizierte Wanderführer erarbeiten mit viel Engagement neue Touren. Dazu kommen zahlreiche Angebote in der Jugend- und Familienarbeit, im Naturschutz und in der Kulturpflege. „Diese Leistungen müssen wir selbstbewusster nach außen tragen“, sagt Kabis.

 

Selina Kabis beim Wandern – © Selina Kabis

Selina Kabis beim Wandern – © Selina Kabis

 

Denn während das Interesse an Natur, Bewegung und bewusstem Draußensein wächst, wird es immer schwieriger, Menschen für ein Ehrenamt zu gewinnen. „Das Ehrenamt ist das Fundament des Schwarzwaldvereins – und gleichzeitig eines der größten Zukunftsthemen.“ Zeitmangel, steigende Anforderungen und veränderte Lebensrealitäten lassen Menschen zögern. Auch das Image des Vereins spielt hier eine Rolle.

Genau hier möchte Selina Kabis ansetzen. Der Schwarzwaldverein soll sichtbarer, moderner und offener werden. Erste Schritte sind bereits gemacht: Ein übergreifender Instagram-Account wurde erstellt und auch die Website erstrahlt in neuem Glanz. Auch die Entwicklung des Vereins geht voran: So sieht man sich schon längst nicht mehr als reiner Wanderverein, sondern als Natursportverein mit einem breiten Angebot an Mountainbike-Touren, After-Work-Walks oder Familien- und Erlebnisformaten. Die Ortsvereine setzen dabei ihre eigenen Schwerpunkte, während Kabis und die Geschäftsstelle vermittelt und unterstützt.

Auch Ehrenamtstätigkeiten entwickeln sich weiter. So kann man in der hauseigenen Heimat- und Wanderakademie Weiterbildungen zu klassischen Wegewarten oder Wanderführern machen, aber auch die digitale Öffentlichkeitsarbeit wird gefördert. Gerade für Zugezogene oder Menschen, die einen Ausgleich zum Alltag suchen, bietet der Verein die Möglichkeit, sich einzubringen, Neues zu lernen und Gemeinschaft zu erleben.

Als wir schließlich den Schlossbergturm erreichen, lässt Selina Kabis den Blick über den Schwarzwald schweifen. Ein steiler Aufstieg – aber einer, der sich lohnt. Es wird deutlich, was Kabis mit ihrem Herzensverein vorhat: in Bewegung bleiben, Orientierung geben und gemeinsam neue Höhen erklimmen.

Zeit zum Verweilen bleibt ihr allerdings nicht: In 30 Minuten wartet der nächste Termin im Büro auf sie. Die Arbeit geht weiter. 

Selina Kabis, Hauptgeschäftsführerin des Schwarzwaldvereins e.V.,
Selina Kabis, Hauptgeschäftsführerin des Schwarzwaldvereins e.V., – © Romy Baberske/Schwarzwald Tourismus

 

Info: Gemeinsam den Schwarzwald erleben

Der Schwarzwaldverein ist durch sein Engagement für die Wege, das Naturerlebnis zu Fuß oder auf dem Rad, den Erhalt der Kulturlandschaft, den Schutz der Natur und die Bewahrung der heimatlichen Tradition seit 1864 ein starker und ungemein wichtiger Partner für den Schwarzwald, seine Gäste und die Menschen, die hier leben. Rund 200 eigenständige Schwarzwaldvereine vor Ort mit mehr als 50.000 Mitgliedern bieten ehrenamtlich Wanderungen und Exkursionen für Klein und Groß, markieren Wege, initiieren Bildungs-, Jugendarbeit- und Naturschutzprojekte und vieles mehr. Alle Infos unter www.schwarzwaldverein.de.

Text: Romy Baberske

Fotos: Romy Baberske/Schwarzwald Tourismus; Selina Kabis