Dirk Scheja
Schönwald im Hochschwarzwald gehört zu den heilklimatischen Kurorten „Premium Class“. Neben subalpinem Klima und guter Luft bietet die Gemeinde ihren Gästen mehrere Heilklima-Wanderwege und geführte Touren mit einem ausgebildeten Guide an.
Wenn Menschen erklären, dass sie im Urlaub einfach mal wieder durchatmen wollen, haben sie vor allem Entspannung und eine stressfreie Zeit vor Augen. Mancherorts, etwa in der Gemeinde Schönwald im Hochschwarzwald, bekommt das „Durchatmen“ allerdings eine viel tiefere Bedeutung.
Die Gemeinde liegt auf einem Hochplateau und ist als Wiege der Kuckucksuhr bekannt: Franz Ketterer hat dort 1737 die erste Uhr mit dem markanten Ruf in seiner Werkstatt gebaut. Heute erinnern sowohl ein Denkmal als auch ein Kuckucksuhrenpfad für Kinder daran.
Der 2500-Einwohner-Ort auf rund 1000 Metern Höhe hat sich aber noch durch etwas anderes einen Namen gemacht: Er ist ein heilklimatischer Kurort „Premium Class“. „Bei uns herrscht subalpines Reizklima“, sagt Romina Scherzinger, die fürs Standortmarketing in Schönwald zuständig ist. Dies rege den Organismus der Menschen positiv an. „Außerdem haben wir auch im Sommer keine stehende Hitze, sondern milde Temperaturen, kühle Nächte und eine geringe Luftfeuchtigkeit. Der Körper muss also nicht ständig auf Hochtouren arbeiten.“
Eine Rolle spielt natürlich auch die gute Luft, die regelmäßig kontrolliert wird: Schönwald ist seit Jahrzehnten ein heilklimatischer Kurort – ein Prädikat, das vom Land Baden-Württemberg vergeben wird. Aktuell tragen es im Schwarzwald mehrere Gemeinden, darunter Dobel, Bad Herrenalb, Neubulach, Sasbachwalden, Titisee-Neustadt, Schluchsee, St. Blasien, Lenzkirch, Todtmoos und Höchenschwand.
Außerdem muss das Klima in diesen Kurorten nachweislich therapeutisch wirken – in Schönwald etwa für Menschen mit Allergien, Atemwegs-, Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, wie Romina Scherzinger erklärt. „Die Natur kann aber auch Menschen helfen, die unter Burnout und anderen psychischen Erkrankungen leiden.“
Die zusätzliche Auszeichnung als Premium-Class-Kurort vergibt der Verband der Heilklimatischen Kurorte Deutschlands (VDHK). Bundesweit tragen ihn 19 Orte, allein sechs davon liegen im Schwarzwald: Neben Schönwald gehören Bad Dürrheim, Königsfeld, Hinterzarten, Baiersbronn-Obertal und Schömberg dazu. Sie müssen dafür höhere Qualitätsanforderungen im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit erfüllen. Auch der Service für die Besucher, die Informations- und Buchungsmöglichkeiten werden geprüft.
Klare Luft einzuatmen – das allein genügt jedenfalls nicht: Gäste müssen die Möglichkeit haben, dieses Heilmittel gut anzuwenden. Auch aus diesem Grund hat der VDHK vor einigen Jahren die Ausbildung zum Heilklima-Guide geschaffen. Rund 50 Menschen haben die Kurse inzwischen abgeschlossen, darunter auch Dirk Scheja, der in Schönwald geführte Heilklima-Wanderungen anbietet (siehe Interview).
Außerdem können Urlauber in Schönwald auf dem Genießerpfad „Heilklima-Steig“ durchatmen, einem rund 11,5 Kilometer langen Premiumwanderweg, auf dem unterwegs auch Liegen zum Wald- oder Sonnenbaden einladen. Zur Wahl stehen außerdem drei Heilklima-Wege, die zwischen drei und rund sechs Kilometer lang sind und sich miteinander verbinden lassen. Also jede Menge Möglichkeiten, einmal durchzuatmen – in jeder Hinsicht.
Info:
Informationen über die Gemeinde, ihre Heilklima-Wege und die geführten Heilklima-Wanderungen findet man auf www.schoenwald.net. Die Vielfalt der Wellness- und Gesundheitsangebote im Schwarzwald gibt es unter www.wellness-schwarzwald.info
Dirk Scheja (52) aus Schönwald ist Sportlehrer, Fitness-Coach, Biathlon-Trainer und ausgebildeter Heilklima-Guide. Im Interview mit Claudia List erklärt er, was er bei seinen Heilklima-Wanderungen alles vermittelt.
Sie leben und arbeiten in einem heilklimatischen Kurort. Spürt man das auch, Herr Scheja?
Scheja: Ja, auf jeden Fall. Die Menschen, die aus Ballungsgebieten zu uns kommen, merken sofort, dass die Luft hier deutlich besser und die Luft klarer ist. Sie können hier leichter atmen und ich finde, man riecht es auch, dass die Luft besser ist.
Sie sind Heilklima-Guide und nehmen Einheimische und Gäste mit auf Heilklima-Wanderungen. Was bedeutet das konkret?
Scheja: Das Wandern in der Natur ist zunächst das Wichtigste. Es geht aber nicht darum, den Weg nur abzuwandern oder gar möglichst flott zu absolvieren, sondern ich vermittle unterwegs vieles: Wir machen beispielsweise Pausen mit Übungen, die verdeutlichen, welche Muskulatur zur Atmung gehört und wie man lernen kann, tief in den Bauch oder den Brustkorb zu atmen. Wir messen mit den Teilnehmern auch den Puls und erklären, dass es wichtig ist, ihn zu kontrollieren. Der Puls darf auch mal hochgehen beim Wandern, erst dann hat man einen Trainingseffekt, man sollte aber auch Überlastungen vermeiden.
Worüber informieren Sie noch?
Scheja: Ich erkläre unterwegs, dass es gut ist, sich nicht immer so ganz warm einzupacken, sondern dass man auch mal sein Immunsystem herausfordert. Mein Beispiel ist immer der Postbote, der bei Wind und Wetter draußen und tatsächlich seltener krank ist. Wenn das Wetter mitspielt, machen wir außerdem Sonnenpausen auf einer Bank und ich spreche über die Bedeutung des Vitamins D, das dabei gebildet wird – und auch, dass man Depressionen vorbeugen kann, wenn man sich draußen in der Sonne bewegt.
„Alles für ein gesünderes Leben“
Dirk Scheja
Gehört auch Kneippen zum Heilklima-Wandern?
Scheja: Ja, Kneippen oder ein Fußbad im Bach gehören auch zu unseren Stationen. Das sind zwar alles recht unspektakuläre Dinge, aber damit hangeln wir uns von einem Thema zum anderen. Ziel ist es, den Menschen draußen in der Natur Informationen an die Hand zu geben, wie sie ein gesünderes Leben führen können.
An wen richtet sich das Angebot?
Scheja: Jeder kann mitmachen, es gibt nur eine Einschränkung: Unsere Wege sind nicht kinderwagentauglich. Aber in erster Linie wollen wir Menschen, die viel Zeit in Räumen und im Auto verbringen, dazu bringen, sich in guter Luft und im gesunden Klima zu bewegen. Wer das regelmäßig macht, stärkt sein Immunsystem. Und das gilt noch mehr fürs Heilklima-Wandern, unter anderem wegen der Atemübungen, denn dadurch wird der Sauerstoffaustausch im Körper verbessert.
Welche Rolle spielt dabei der Wald?
Scheja: Eine ganz wichtige. Im Wald gibt es nicht nur gute Luft, es herrscht auch das sogenannte Schonklima. Das heißt, er kühlt im Winter nicht so stark aus, sondern hält die Wärme, und im Sommer bleibt er kühl. Deshalb führen viele heilklimatische Wanderungen und auch die drei heilklimatischen Wege in Schönwald oft durch den Wald.
„Biohacking“ heißt ein Trend aus den USA, der auch bei uns angekommen ist. Menschen wollen dabei unter anderem mit Eisbädern ihren Körper optimieren. Kann man da mit Begriffen wie „Heilklima-Wandern“ überhaupt noch jemand anlocken?
Scheja: Das stimmt, manchmal springen die Leute auf solche Trends auf, obwohl es vieles, was dazu gehört, vorher schon lange gab. Im Grunde heißt Biohacking auch nichts anderes als Dinge zu tun mit dem Ziel, ein gesünderes Leben zu führen. Viele denken zwar, dass es immer gleich ein Eisbad dafür braucht, aber für mich gehört auch das Heilklima-Wandern dazu.
Mehr Infos über Dirk Scheja auf www.d-scheja.jimdoweb.com
Text/Interview: Claudia List
Fotos: Hochschwarzwald Tourismus GmbH; Dietmar Denger; Dirk Scheja
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