17.03.2022

Mit Pauken und Trompeten

Diese Liebesgeschichte war im 19. Jahrhundert ein echter Bestseller: „Der Trompeter von Säckingen“ machte nicht nur den Dichter Joseph Victor von Scheffel bekannt, sondern auch die Stadt am Hochrhein. Ein Artikel von Claudia List

Trompeter von Säckingen

Trompeter von Säckingen – © Tourismus GmbH Bad Säckingen/Johannes Schiebe

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Die Spur führt ins Herz der Stadt Bad Säckingen, zum Münsterplatz, der von historischen Fassaden umgeben ist. Die Doppeltürme des Münsters ziehen die Blicke auf sich. Die Grabplatte auf der Rückseite der Kirche beachten allerdings nur wenige Besucher, es sei denn, sie haben einen kundigen Stadtführer zur Seite. Er macht sie auf die Namen aufmerksam, die hier in Stein gemeißelt sind: Maria Ursula von Schönau und Franz Werner Kirchhofer.

Als sich die adelige Frau, die im Schloss Schönau aufgewachsen ist, im 17. Jahrhundert in den bürgerlichen Mann verliebte, der zudem noch jünger war als sie, entfachte das Paar einen Skandal. Sowohl die Familie als auch die Stadtoberen in Säckingen legten ihrer Liebe Steine in den Weg. Sie machten der Braut das Erbe streitig, die Liebenden mussten ihre Heimat verlassen. Allerdings kehrte das Paar später mit ihren Kindern zurück nach Säckingen und lebte dort, bis Kirchhofer 1690 und seine Frau ein Jahr später starb.

An der Spitze der Grabplatte am Münster ist ein Bildnis von Joseph Victor von Scheffel zu sehen. Ihm ist es zu verdanken, dass die Geschichte nicht nur über Jahrhunderte hinweg an Stammtischen erzählt, sondern weit über den Ort hinaus getragen wurde. Und mit ihr der Name Säckingen.

Eine Liebesgeschichte wird zum Bestseller

Der Dichter wurde 1826 in Karlsruhe geboren. 1850 kam er als Rechtspraktikant nach Säckingen und zog in den Hallwyler Hof. Das Haus liegt direkt am Rhein – und an der längsten gedeckten Holzbrücke Europas.

Ob es nun im „Gasthaus Knopf“ oder einem anderen Wirtshaus war: Irgendwo kam Scheffel die Liebesgeschichte zu Ohren. Als er 1851 die Stadt wieder verließ, hatte er die Idee zum „Trompeter von Säckingen“ schon in der Tasche. Sein Werk, in dem er aus dem bürgerlichen und musikalischen Werner einen Trompete blasenden Helden machte, erschien erstmals 1854 – und wurde ab den 1870er Jahren zum Bestseller. Noch vor Scheffels Tod im Jahr 1886 kam der „Trompeter von Säckingen“ außerdem als Oper von Victor E. Nessler auf die Bühne, 1918 wurde der Stoff verfilmt.

Joseph Victor von Scheffel

Rechtspraktikant und Schriftsteller

Über die Grabplatte hinaus findet man in Bad Säckingen weitere Hinweise auf Scheffels Geschichte: ein Hotel Hiddigeigei, benannt nach dem Kater im „Trompeter von Säckingen“, der dort die Rolle des spöttisch-ironischen Erzählers innehat. Außerdem thront eine Skulptur des Katers hinterm Rathaus auf einer Säule. Bei Schloss Schönau, in dem die Familie von Buchfigur Margaretha zu Hause war, stehen sogar zwei Trompeterfiguren. Und bei den zahlreichen Themenführungen gibt es in der „Trompeterstadt“ auch echte Trompetenklänge zu hören.

Führungen: Es gibt verschiedene Stadtführungen zum Thema „Trompeter von Säckingen“. Auch Familien können mit dem Trompeter auf Zeitreise gehen oder sich einer Münsterführung anschließen. Infos und Anmeldung unter Tel. 07761.56830, www.bad-saeckingen-tourismus.de

Museum: Das Hochrheinmuseum im Schloss Schönau zeigt eine Sammlung von mehr als 100 Trompeten und informiert über die Geschichte der Stadt und Region. Im Schloss befindet sich außerdem das Scheffel-Zimmer mit Erstausgaben und Handschriften des Dichters. Infos unter Tel. 07761.2217, www.trompetenmuseum.de

Claudia List

Über die Autorin

Claudia List

Claudia List hat Journalismus und Betriebswirtschaft studiert, bei einer Tageszeitung volontiert und viele Jahre als Reiseredakteurin bei einer Wochenzeitung gearbeitet. Sie lebt in Stuttgart und schreibt als freie Journalistin in Zeitungen, Magazinen und Büchern über die erlebnis- und genussreichen Seiten Baden-Württembergs. Dabei haben es ihr besonders die Mittelgebirge im Lande angetan. Sie ist Chefredakteurin eines Magazins über die Schwäbische Alb, schreibt aber genauso gern über die spannenden Themen, die der Schwarzwald bietet: Dafür verbringt sie mit Vergnügen eine Nacht im Baumzelt, wandert durch die Landschaft, folgt den Spuren eines Dichters, trifft Winzer und andere Genusshandwerker und besucht Dorfgasthäuser.