26.07.2021

Bikepacking im Schwarzwald

Einfach mal raus? Übernachten im Wald? Der Schwarzwald mit seinen einsamen Waldwegen und -pfaden eignet sich bestens für eine mehrtägige Mountainbiketour mit leichtem Gepäck! Wenn man richtig packt... 

Eine Reportage von Patrick Kunkel
 

Gravel

Gravelbike am Schluchsee – © CENTURION - Daniel Geiger

Container

Nach nur zwei Kilometern im Sattel ist es so, als habe jemand einen Schalter umgelegt: Vergessen der Alltagsstress. Dafür zieht uns der dichte Wald um uns herum mit seinen Geräuschen und Düften in seinen Bann. Kleine Steinchen knistern unter den Stollenreifen unserer Mountainbikes.

Unser Plan für dieses Wochenende: Keinen Plan haben! Unser Ziel: Irgendeine Schutzhütte im Wald, in der wir unsere Schlafsäcke ausrollen können. Oder eine Lichtung unter freiem Nachthimmel. Sofern es trocken bleibt. Und danach sieht es gerade aus: Stahlblauer Himmel blitzt zwischen den Tannenzweigen hervor. Die spenden zum Glück Schatten, denn mit jedem Meter, den wir den schmalen Pfad von Freiburg hinauf auf den Schauinsland erklimmen, steigt auch die Sonne ein bisschen höher.

Raus aus dem Alltagstrott

Alles, was wir in den nächsten beiden Tagen brauchen, steckt in den Packrollen, die wir eng und kompakt an Lenker und Sattelrohr geschnallt haben. So bleiben unsere Bikes agil, wir können damit auch mal auf schmalen Wegen fahren, ohne dass uns schwere Gepäckträger belasten und die sonst so klobigen Taschen ins Schwanken geraten. Unsere minimalistische Biwak-Ausrüstung bietet jedenfalls alles, um ein Wochenende lang dem Alltagstrott zu entfliehen: Schlafsack, Isomatte, ein Kanten Käse, ein Stück Brot, dazu leichte Wechselklamotten für die Nacht.

Wichtig dabei ist, die richtigen, ans eigene Rad passenden Taschen zu wählen. Inzwischen ist der Bikepacking-Trend ja nicht mehr ganz taufrisch, sodass verschiedene Anbieter eine große Auswahl qualitativ hochwertiger Taschen bieten. Ein zusätzlicher Rucksack muss nicht unbedingt mit, erweist sich aber auch auf kurzen Touren als ungemein praktisch, weil man schnell an wichtige Dinge herankommt wie Geldbeutel, Erste-Hilfe-Tasche, Taschenmesser, Sonnencreme.

 

Richtig packen 

Was nehme ich mit?

 

Die „Standardausrüstung“ für‘s Bikepacking besteht in der Regel aus Lenkertasche, Oberrohrtasche, Rahmentasche sowie der (ziemlich großen) Satteltasche, die an Sattel und Sattelstange befestigt wird.

Sinnvoll ist es, schwere Dinge so nah wie möglich am Rahmen zu verstauen, dann geraten die Taschen nicht ins Schwanken. In der Satteltasche, die weit über das Hinterrad hinausragt und dabei auch praktischerweise als Schutzblechersatz taugt, stecken die Wechselklamotten für den Abend. Für zwei Tage ist nicht sehr viel nötig, aber wenn man schlau packt, passen durchaus Wechselkleider für mehrere Tage in die große Seatpostbag.

Was muss in die Seatpostbag?

Ganz unten in die Tasche und damit möglichst nah am Rahmen passt Flickzeug, Minitool, Pumpe, Kettenöl und Ersatzschlauch – bei längeren Touren findet das allerdings besser in der Rahmentasche Platz, auf die wir allerdings bei unserer Tour ebenso verzichtet haben wie auf die Oberrohrtasche.

Für unseren Kurztrip reichen ein Sommerschlafsack, eine Isomatte und ein aufblasbares Kissen, die perfekt in die Lenkertasche passen. Ein leichtes Outdoorhandtuch bekommt man ebenfalls unter, auffüllen kann man mit Socken oder Unterhosen. Bei den Packrollen am Lenker sollte darauf geachtet werden, dass die Lenkvorgänge nicht eingeschränkt sind durch die Befestigung.

Proviant für unterwegs verteilen wir in den Taschen und im Rucksack. Unbedingt in den Rucksack gehören außerdem eine kleine Erste-Hilfe-Tasche, der Geldbeutel und die Kamera für die schönen Bilder von unterwegs.

Wer eine Feuerstelle findet, sollte sinnvollerweise auch ein Feuerzeug dabei haben. Auf keiner Tour – und sei sie noch so kurz – sollten Müllbeutel und WC-Papier fehlen: Die Beutel dienen dazu, den eigenen Müll wieder mit aus dem Wald zu kutschieren – und notfalls kann man diese auch wunderbar benutzen, um empfindliche Gegenstände wasserdicht zu verpacken, sollte es unterwegs mal gießen. Und WC-Papier braucht man nicht nur zum Abputzen . . .

Nicht zu viel und nicht zu wenig Zeug

Wir jedenfalls sind gut ausgerüstet für die eine Nacht: Nicht zu viel, nicht zu wenig Zeug. Das schwerste Gewicht war der Proviant – und der hat sich anderntags dann deutlich reduziert.

Denn wir hatten Glück: Spät am Abend, nach langer Tour über Schauinsland, Belchen und Blauen, finden wir noch eine offene Schutzhütte, in der wir unsere Schlafsäcke ausrollen. Ein Feuer entfacht, dazu ein Vesper. Und als es dämmert, mummeln wir uns ein und schlafen, mit nichts als den Geräuschen des Waldes bei Nacht im Ohr . . .

Bikepacking 

In der Nationalparkregion

Patrick Kunkel

Über den Autor

Patrick Kunkel

Patrick Kunkel ist Reisejournalist aus Freiburg im Breisgau. Am liebsten erkundet er die Welt mit dem Fahrrad oder mit Wanderschuhen an den Füßen. Er schreibt Geschichten für Magazine wie TOUR, BIKE oder MyBike. Nach fünf wundervollen Jahren im Baskenland, wo es zwar hervorragende Küche, aber keine Schwarzwälder Kirschtorte gibt, großartige Bergpfade, aber keine verwinkelten Schwarzwälder Singletrails, ein wildes Meer, aber keine rauschenden Zweribachfälle, und urige Steinhäuser, aber keine beeindruckenden Schwarzwaldhöfe, lebt und arbeitet er endlich wieder in seiner Lieblingsregion – dem Schwarzwald.