Drehort Schwarzwald_Tiere bis unters Dach

"Tiere bis unters Dach", eine Kinderserie, wird seit 2010 in der ARD ausgestrahlt. – © SWR/Peter Hollenbach

Drehort Schwarzwald

von Claudia List

Der Schwarzwald diente schon in vielen Filmen und Serien als beliebte Kulisse – vom „Schwarzwaldmädel“ in den 1950er-Jahren bis zur erfolgreichen Netflix-Serie „Biohackers“, die 2020 startete. Bei der Suche nach den passenden Drehorten unterstützt Fabian Kiefer von der "Film Commission Freiburg Schwarzwald" die Produktionsfirmen.
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Jahrzehnte später ist sie noch ein beliebtes Fotomotiv: Die Schwarzwaldklinik aus der gleichnamigen Fernsehserie, die zwischen 1984 und 1989 ausgestrahlt wurde. Sie gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Fernsehunterhaltungsserien, bis zu 28 Millionen Zuschauer saßen damals vor den Bildschirmen und verfolgten das Geschehen um Chefarzt Klaus Brinkmann (Klausjürgen Wussow), seinen Sohn Udo (Sascha Hehn) und Schwester Christa (Gaby Dohm). Das Klinikgebäude im Glottertal nahe Freiburg tauchte in mehr als 70 Folgen der Serie auf, die zudem in mehr als 35 weitere Länder zu sehen war.

Das Bauwerk im Glottertal diente aber nur für die Außenaufnahmen der Serie. Sie ist auch im echten Leben eine Akut- und Reha-Klinik, das heißt, man kann sie nicht besichtigen. „Die ‚Schwarzwaldklinik“ zieht aber immer noch. Bis heute kommen ganze Busse voller Touristen – vor allem auch aus Asien –, um die Klinik zu sehen und zu fotografieren“, sagt Fabian Kiefer. Er leitet seit 2019 die „Film Commission Freiburg Schwarzwald“ und hat dabei vielfältige Aufgaben. Zum einen vermittelt er Fachleute aus der Region an Produktionsfirmen, die von außerhalb kommen und im Schwarzwald drehen wollen. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Vermittlung von Motiven und Locations.

„Ich habe selbst 16 Jahre lang Filme gedreht“, sagt er, „wenn eine Produktionsfirma bei mir anruft, weiß ich genau, wovon sie spricht.“ Dabei sei oft Ähnliches gefragt: „Produktionen aus Hamburg oder Berlin wollen natürlich den Blick von einem Berg ins Tal hinunter, das klassische Schwarzwaldhaus, die Tannen, den dunklen Wald, den Feldberg.“ Fabian Kiefer spricht von „Postkartenmotiven“ – und er kann den Wunsch nachvollziehen: „Wenn sie diese Motive nicht brauchen würden, würden sie nicht hierherkommen.“

Er stammt selbst aus der Region und kennt viele geeignete Drehorte, arbeitet aber auch eng mit anderen Locationscouts zusammen, wie Maria Wiesler aus Freiburg: „Sie weiß genau, wohin wir gehen müssen, wenn es im Film nicht nach 1820, sondern nach 1780 aussehen soll.“ Bei ihr und auch bei ihm melden sich umgekehrt Menschen, die ihr Schwarzwaldhäuschen renoviert haben und es gerne als Filmkulisse anbieten wollen. Gesammelt werden die möglichen Drehorte für ganz Baden-Württemberg heute in einem zentralen Register, dem „Location- und Productionguide“.

Die Geschichte des Schwarzwalds als Filmkulisse reicht allerdings deutlich weiter zurück als bis zur Schwarzwaldklinik: 1950 wurde die Verfilmung der Operette „Das Schwarzwaldmädel“ als erster deutscher Nachkriegsfilm in Farbe ausgestrahlt. 14 Millionen Zuschauer konnten so die Landschaft um St. Peter kennenlernen. „Die Sehnsucht der Deutschen nach einer heilen Welt trug damals zum schnellen Wiedererblühen des Schwarzwaldtourismus bei“, erklärt Hansjörg Mair, Geschäftsführer der Schwarzwald Tourismus GmbH. „Der Schwarzwald verdankt viel von seiner Popularität den bewegten Bildern.“

In den 1960er-Jahren folgte die Serie „Forellenhof“, die in der Nähe von Baden-Baden gedreht wurde. Seit den 1990er-Jahren zeigt die SWR-Reihe „Die Fallers“ die Landschaft des Hochschwarzwalds – etwa ein Drittel der Dreharbeiten finden dort statt. Besonders erfolgreich ist die Kinderserie „Tiere bis unters Dach“, die die ARD seit 2010 ausstrahlt. Fabian Kiefer hat früher selbst für die Serie gedreht, bevor er zur Film Commission kam. Sie habe stark dazu beigetragen, so der Fachmann, dass sich Kinder und Jugendliche für den Schwarzwald interessieren: „Landwirte erzählen von Familien, die vor ihnen stehen und ihren Bauernhof besichtigen wollen, weil er in ‚Tiere bis unters Dach‘ zu sehen war.“ 

Für ihn bietet der Schwarzwald aber weit mehr als die Postkartenmotive: „Einzigartig ist die Vermischung von Tradition und Moderne – und das wird auch oft nachgefragt.“ Für ihn trifft das insbesondere auf Freiburg zu, wo beispielsweise auf dem Platz der Alten Synagoge sowohl das neobarocke Stadttheater wie auch die Universitätsbibliothek mit einer Fassade aus Glas und Stahl stehen. „Bei uns verschmilzt aber auch an anderen Orten vieles miteinander: Es gibt mittelständische Unternehmen in futuristischer Architektur neben Gebäuden, die schon seit 300 Jahren hier stehen.“

Fabian Kiefer von der Film Commission Freiburg Schwarzwald
Fabian Kiefer von der Film Commission Freiburg Schwarzwald – © Kiefer

Die Netflix-Serie „Biohackers“, die erstmals 2020 zu sehen war, ist für ihn ein Beispiel für eine Produktion, die genau diese Mischung aus Tradition und Moderne im Schwarzwald gebraucht hat. „Der Regisseur kannte Freiburg aus seiner Kindheit und wollte es dort ansiedeln, wo es den Kontrast zwischen dem dunklen Wald und den modernen Tech-Gebäuden gibt.“ Die Serie zählte auch zu den besonders aufwendigen Produktionen, die Fabian Kiefer miterlebt hat: Normalerweise gehören zu einem deutschen Filmteam im Schnitt 50 Menschen, bei „Biohackers“ waren es 160. „Drei Kamerateams haben gleichzeitig gedreht und dafür 650 Meter Parkfläche für Technik und Aufenthaltsmobile gebraucht“, erzählt Kiefer. „Sie können sich vorstellen, wie viel Platz dafür in der Innenstadt ist!“ Anträge stellen und Genehmigungen einholen gehören deshalb auch zu seiner Arbeit und er muss oft als eine Art Puffer zwischen den Ämtern und Behörden auf der einen Seite und den Filmproducern auf der anderen Seite fungieren.

Der Schwarzwald ist jedenfalls beliebt als Filmkulisse und die Liste der Produktionen lässt sich um vieles verlängern: Eine Szene im Hollywood-Blockbuster „Charly und die Schokoladenfabrik“ von 2005 wurde in Gengenbach gedreht. Nachdem sich etliche Orte gemeinsam mit der Schwarzwald Tourismus GmbH erfolgreich darum bemüht haben, den „Tatort“ in die Region zu holen, können die Zuschauer seit 2017 sonntagabends regelmäßig dem Ermittlerteam Franziska Dobler und Friedemann Berg zuschauen.

Im Kinofilm „25 km/h“ von 2018 starten Bjarne Mädel und Lars Eidinger ihre Fahrt im Schwarzwald – mit zahlreichen Drehorten, wie Gengenbach, Gernsbach, Kniebis. Im Dezember 2025 kommt der Film „Sie glauben an Engel, Herr Dworak?“ in die Kinos, eine Tragikomödie, die unter anderem in Rottweil und Freiburg gedreht wurde und schon einen Preis beim Filmfestival in Shanghai gewonnen hat. Und neben den regelmäßigen Dreharbeiten für „Tiere bis unters Dach“ steht im Herbst 2025 ein großes Projekt mit vielen Drehtagen im Schwarzwald an, über das Fabian Kiefer Stillschweigen bewahren muss. Auch das gehört manchmal zu seinem Job, dass er über einen spannenden Film noch nichts verraten darf.

Info:

Die „Schwarzwaldklinik“ im Glottertal kann man nicht besichtigen, aber das Film-Haus von Professor Brinkmann, das Hüsli in Grafenhausen im Landkreis Waldshut, das ein Heimatmuseum ist.

Die Film Commission Freiburg findet man hier, den Location- und Productionguide für Baden-Württemberg auf www.film-bw.de