Im Harkhof gibt es Rührei mit Speck und Bärlauch – © Fichtner, Schwarzwald Tourismus
Die Bärlauch-Wirtinnen
Zuwälder Stüble
Der Weg ist schmal und folgt einem Bach tief ins Tal hinein, bis schließlich das schmucke Haus mit dem tief gezogenen Schwarzwald-Walmdach auftaucht: das Zuwälder Stüble. In der Küche steht Daniela Lehmann-Nikolovski vor einer großen Pfanne voller Bärlauch-Käsespätzle. „Man muss warten, bis sie Farbe haben, das ist das Geheimnis“, sagt die Wirtin und rührt ständig weiter. „Und man darf nicht zu viel Bärlauch hineingeben, sonst wird es bitter.“
Das Zuwälder Stüble war einst ein Bauernhof, auf dem schon ihre Großeltern damit anfingen, Gäste im Wohnzimmer mit Bier zu bewirten. Sie haben auch die erste Gastwirtschaft eingerichtet. Irgendwann hat Daniela Lehmann-Nikolovskis Mutter die Küche von der Oma übernommen – und heute steht sie am Herd. Sie erinnert sich gerne an die Zeit, die sie als Kind hier verbrachte: „Wir hatten den Bach und den Wald als Spielplatz – und wir haben viele Menschen kennengelernt durch die Gastronomie.“
2006 hat sie das Gasthaus übernommen und bis heute kocht sie so, „wie es früher üblich war“. Brot, Kuchen, Spätzle, Kartoffelsalat, Saucen und vieles mehr backt und kocht sie selbst. Serviert wird im Gastraum, von dem aus die Besucher ins Grüne blicken, über weite Weiden und Hänge, die oben von Baumreihen gekrönt sind.
Das Zuwälder Stüble trägt die Auszeichnung „schönes Gasthaus“, ein Preis, den der Ortenaukreis zusammen mit dem Dehoga vergibt. Wer länger bleiben und von dort aus zu Wanderungen aufbrechen will, kann in einem der Zimmer im Obergeschoss übernachten. 2019 wurden sie renoviert und Daniela Lehmann-Nikolovskis Partner, der Zimmermann ist, hat die Betten dafür gebaut.
Im Sommer lockt die Terrasse nach draußen ins Grüne, wo man das Wasser des Bachs plätschern und die Vögel singen hört. Dort steht zwischen zwei Birnbäumen auch eine Holzhütte, das „Waldspeckhüsli“. Drinnen lodert ein Feuer – bereit für „Bärlauch in Flammen“, ein Event, das jedes Jahr im Zuwälder Tal veranstaltet wird. Nach der Führung mit Kräuterexpertin Nicole Oeser werden in der Hütte Waldspeck, Würste und Gemüse auf Spieße gesteckt und gegrillt. Dazu serviert die Wirtin Brot, Salate und Dips mit Bärlauch.
„Die Tradition stammt von den Waldarbeitern“, sagt Daniela Lehmann-Nikolovski, „sie haben früher im Wald über dem offenen Feuer ihren mitgebrachten Speck gebraten.“ In ihrer Hütte lassen sie und ihr Mann die Tradition aufleben – nicht nur zur Bärlauchzeit.
Gasthaus zur Linde
Die denkmalgeschützte Gaststube gleicht einem Museum: Eine historische Dorfbauernwirtschaft vom Anfang des 18. Jahrhunderts, wie sie das Gasthaus zur Linde besitzt, ist heute eine Rarität. Sitzbank, Kassettendecke, Dielenboden, Wandvertäfelung, Tische und Stühle – alles ist aus Holz. Die Frühlingssonne fällt durch Sprossenfenster, die mit gehäkelten Spitzenvorhängen geschmückt sind. Ein Kachelofen gehört ebenfalls zur gemütlichen Atmosphäre und ein Herrgottswinkel darf natürlich auch nicht fehlen. „Der Jesus war von Anfang an da“, sagt Martina Lang, „er wurde immer mit verkauft.“
Einst hielten die Fuhrknechte am Gasthaus zur Linde, um noch einmal ihre Pferde zu wechseln, bevor der Weg sie steil hinauf über den Berg führte, wie die Wirtin erklärt. 1905 kauften ihre Urgroßeltern dann das Anwesen. In der Küche steht neben modernen Geräten noch ein alter Holzherd. „Früher habe ich nur damit gekocht“, sagt sie. Gelernt hat sie es von ihrer Schwiegermutter. Martina Lang brachte außerdem schon Erfahrung von den Gastwirtschaften mit, in denen sie gejobbt hat. Und sie absolvierte ein Praktikum in der Küche des sternegekrönten Restaurants im Hotel Dollenberg in Bad Peterstal-Griesbach.
Inzwischen steht die nächste Generation in den Startlöchern: Martina Lang wechselt sich in der Küche mit ihrer Schwiegertochter Franziska ab. Überhaupt sind in der Linde die Familienbande fest geknüpft: Ihr Mann sammelt den Bärlauch, zudem ist er Brennmeister und für Kirsch-, Mirabellen-, Topinambur- und andere Destillate verantwortlich. Inzwischen ist auch der Sohn schon dabei, das Handwerk zu lernen. Die Forellen, die in der Linde zubereitet werden, stammen aus einer Zucht, die gleich um die Ecke des Gasthauses liegt, von Familienmitgliedern aufgebaut und 2022 an Lasse Strübing übergeben wurde.
Für Bauernhofurlauber bietet die Linde Gästezimmer und Ferienwohnungen an. Die Langs sind heute noch Nebenerwerbslandwirte, halten Schweine und schlachten auch selbst. So können die Gäste hausgemachte Erzeugnisse, wie Wurst und Schinken, Brot, Marmelade, Brände und vieles mehr genießen – im Sommer auch gerne im Biergarten des Hauses, selbstverständlich unter einer großen Linde.
Mit dem „Westweg“ kamen die Wanderer – deshalb haben die Großeltern von Tanja Kornmayer-Hug vor über 50 Jahren die Vesperstube eingerichtet. „Dann ließen sie die ersten Gäste im Heu übernachten“, erzählt die Wirtin.
Harkhof
Die herrliche Aussicht auf der Terrasse des Harkhofs verleitet viele Gäste dazu, doch noch auf ein weiteres Glas Most sitzen zu bleiben: In 700 Metern Höhe reicht der Blick über grüne Wiesen und weit hinunter ins Tal. Ein Ort, der dem Alltag entrückt ist – und zudem gleich an mehreren Wanderwegen liegt: Der knapp 15 Kilometer lange „Harmersbacher Vesperweg“, ein zertifizierter Premiumwanderweg, führt direkt am Haus vorbei. Eine rund fünf Kilometer lange Tour bringt Ausflügler hinauf zum Aussichtspunkt Vogesenblick, wo das Panorama tatsächlich noch ein bisschen spektakulärer ist. Zudem endet die fünfte Etappe des „Westwegs“, des ältesten Höhenwegs im Schwarzwald, am Harkhof.
Der Hof wurde erstmals 1749 urkundlich erwähnt. Mit dem „Westweg“ kamen die Wanderer – deshalb haben die Großeltern von Tanja Kornmayer-Hug vor über 50 Jahren die Vesperstube eingerichtet. „Dann ließen sie die ersten Gäste im Heu übernachten“, erzählt die Wirtin.
Mit vier Schwestern ist sie hier oben aufgewachsen. Sie war aber die Einzige, die deren Nachfolge antreten wollte: Gemeinsam mit ihrem Mann Thorsten, der Schreiner von Beruf ist, hat sie 2024 den Hof übernommen, zu dem neben der Vesperstube längst auch Gästezimmer und Ferienwohnungen gehören.
Während das Ehepaar Kornmayer-Hug mit seinen fünf Kindern, die zwischen drei und elf Jahre alt sind, im Nebengebäude wohnen, leben die Eltern Marianne und Erwin Hug weiterhin auf dem Hof – und arbeiten auch mit. Marianne Hug ist die Köchin im Haus und backt Holzofenbrot und Kuchen. Es gibt Kühe, Schweine, Ziegen und Hasen. Erwin Hug kümmert sich außerdem um die Bienen, sorgt für eigenen Honig und Obstbrände. Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn schlachtet er auch.
So können sich Wanderer mit Vesperplatten, Wurstsalaten, Bauchspeck, Bibiliskäse, Bauernwürsten, Kuchen und anderen selbst erzeugten Dingen stärken. Der Harkhof bietet aber auch Veganes zum Vespern an. Alle Spezialitäten kann man nicht nur vor Ort genießen, sondern auch mit nach Hause nehmen.
„Unsere Vesperstube hat sich mit dem „Westweg“ entwickelt“, sagt Tanja Kornmayer-Hug, „und wir spüren nicht erst seit Corona, dass das Wandern boomt.“ Wer die Vesperspezialitäten in 700 Metern Höhe genießen will, muss aber nicht unbedingt hinaufwandern: Der Harkhof ist auch über eine schmale Straße erreichbar. www.harkhof.de