20.04.2022

Der Weg zur Gelassenheit

Der Kurort Waldbronn im nördlichen Schwarzwald geht neue Wege: Aus einem alten Therapiepark wurde ein neuer Waldpark. Dort kann man auf drei Routen etwas für seine Gesundheit und das seelische Wohlbefinden tun. Ein Artikel von Andreas Steidel
 

Weg der Gelassenheit in Waldbronn

Die äußere und innere Balance finden im Waldpark von Waldbronn zusammen. – © Andreas Steidel

Container

Gelassenheit ist ein ganz wunderbares Wort. Darin stecken Loslassen, Weglassen, etwas einfach einmal gut sein lassen. Ein anderes Wort also für Zufriedenheit, für den inneren Frieden, den so viele rastlose Menschen heute suchen und doch nur ganz selten finden.

Der „Weg der Gelassenheit“ im Waldpark von Waldbronn ist keine spektakuläre Attraktion. Eher etwas für Leisetreter, die bereit sind, die Welt um sich herum für ein paar wertvolle Momente zu vergessen. „Offline“ heißt er deshalb auch mit einem anderen Titel. Das Smartphone wird ausgeschaltet und gedanklich in eine „digitale Dropbox“ gelegt, wie es auf einer der Wegetafeln heißt.

Das Handy darf also zur Ruhe kommen und die Seele hoffentlich bald auch. Etwa drei Kilometer ist der Waldbronner „Weg der Gelassenheit“ lang. Er beginnt in einem Waldpark, der früher einmal Therapiepark hieß. Unmittelbar an die Kurklinik grenzt er an, ein verträumtes Stück Landschaft, das aus dem Dornröschenschlaf erweckt wurde.

Auf der Suche nach der inneren Ruhe

Bewusst im Hier und Jetzt

Früher vertraten sich hier zumeist Reha-Patienten die Beine, an einem alten Eisenbahnwaggon übten sie das Ein- und Aussteigen, an einer Treppe die Koordination der Auf- und Ab-Bewegungen. Das ist lange her. Der 1976 eröffnete Therapie-Parcours war überwuchert und in Vergessenheit geraten.

Nun gibt es ihn wieder: In einer neuen Form, die neben den Gästen der Kurklinik auch Einheimische und Touristen ansprechen soll. Zur Therapie des Körpers kommt nun ein Angebot für die Seele, in einer Umgebung, die noch immer sehr ansprechend ist: Da gibt es einen alten Bachlauf, einen Seerosenteich, das Relikt einer Buntsandsteintreppe, die in ihrer Verwitterung irgendwie romantisch ist. Ein Barfußweg streichelt die Fußsohlen, manch alter Baum wiegt seine Blätter im Wind.

Dazwischen stehen die blauen Stations-Tafeln der Gelassenheit. Wegweiser des Innehaltens, die dazu einladen, die Augen zu schließen, die Geräusche der Natur zu hören, Leib und Seele zu spüren. Auf einer Wippe darf man balancieren, an einer Tast-Station den Unterschied zwischen Natur- und Kunstprodukten fühlen.

Nur 50 Höhenmeter liegen auf dem Weg der Gelassenheit. Ein sanfter Rundweg, der auch für die zu machen ist, die gerade nicht so gut zu Fuß sind. Die Offline-Runde ist eingebettet in ein System von drei Terrainkurwegen, die neu ausgewiesen und beschildert wurden: Terrainkurweg Nummer eins ist eben jener Gelassenheitspfad, die beiden anderen Routen sind etwas länger und beginnen im Kurpark.

Man kann sich also ganz langsam steigern. Oder sich einfach mit dem zufrieden geben, was im Rahmen der Gelassenheit möglich ist. „Wir gehen diesen Weg jeden Tag“, sagen zwei Frauen aus Waldbronn mit Nordic Walking-Stöcken. Eine Wohltat für Gäste wie für Einheimische und natürlich auch für die Reha-Patienten, die hier nun ganzheitlich etwas für ihr Wohlbefinden tun können.

Wer dann noch etwas wohlige Wärme und Thermalwasser sucht, für den ist die Albtherme nicht weit: Mit ihrer großen Saunalandschaft bietet sie heute ein Wohlfühlprogramm für beinahe alle Geschmäcker: 30 Grad hat das große Becken, 32 Grad das kleine. Das Außenbecken bringt es sogar auf angenehme 35 Grad, ein schöner Kontrast, wenn abends die Luft kühler wird.

In den letzten drei Jahren wurde das Thermalbad in eine große Wellnesslandschaft verwandelt: Mit Innen- und Außensaunen, Klangräumen, Infrarot-Sitzen, die den Rücken wärmen. Eine mit Schiefergestein und rustikalem Altholz verkleidete Gartensauna lädt mit ihrem Panoramafenster dazu ein, den Sonnenuntergang zu genießen. Vier Ruheräume gibt es, von einem Rederaum bis zu einer Oase der Stille, in der kein einziger Ton zu hören ist.

Eine Besonderheit der Waldbronner Therme ist auch ihre Salzgrotte. Wie eine Tropfsteinhöhle sieht sie aus, mit herunterhängenden Zapfen. Tatsächlich sind die Wände jedoch aus Salz geformt, Totes-Meer-Salz, um es genauer zu sagen. Eine künstlich geschaffene Unterwelt, die Atemwege, Haut und Sinne anspricht. 45 Minuten liegt man darin, umgarnt von Klängen, die die Sinne beruhigen. Ein Ort zum Durchatmen und Abschalten sowie ein weiterer Baustein für den, der auf dem Weg zu mehr Gelassenheit ist.

Information: Einen kostenlosen Flyer der Offline-Route und der Terrainkurwege sowie Informationen über die Albtherme gibt es bei Waldbronn Tourismus unter Tel. 07243.56570, www.waldbronn-tourismus.de, www.albtherme-waldbronn.de

Andreas Steidel

Über den Autor

Andreas Steidel

Andreas Steidel ist freier Reisejournalist mit Wohnsitz in Calw im Nordschwarzwald. Er hat festgestellt, dass der Schwarzwald keineswegs so dunkel ist wie sein Name klingt.  Wer sich erst mal intensiv mit ihm beschäftigt, merkt wie viele lichte Seiten er hat und wie viele helle Köpfe es hier gibt. Stoff genug für farbenfrohe Reportagen, die er seit vielen für verschiedene Publikationen macht. Dabei sattelt er gerne das Rad oder schnürt die Wanderstiefel. Als Schwarzwald-Guide führt er zuweilen sogar selbst Gäste durch die Natur.