22.03.2022

Schwarzwald-Tourismus entwickelt sich positiv

Nach dem überdurchschnittlich guten Gästeaufkommen in den ersten zwei Monaten des Jahres 2022 und einer starken Buchungsnachfrage für Frühlings- und Sommerurlaub blicken die Touristiker in der Ferienregion zuversichtlich bis optimistisch auf die nächsten Monate.

Schwarzwaldhaus im Wiesental

typisches Schwarzwald Haus – © Chris Keller/STG

Die Lockdowns in der Folge der Corona-Pandemie haben die Tourismusbranche durchaus ins Stolpern gebracht: Zum einen ist die wirtschaftliche Existenz der Betriebe und Dienstleister, die bisher durch die Krise gekommen sind, vielfach noch ungewiss. Zum anderen hat sich die ohnehin schwierige Personalsituation in Gastronomie und Gastgewerbe durch den Wechsel vieler Beschäftigter in andere Berufe verschärft und zum dritten sind auch die Ansprüche der Urlauber gestiegen: Sie wollen die Gewissheit haben, dass sie am gewählten Feriendomizil sicher, aber auch unbeschwert und ohne besondere Auflagen Urlaub machen können. Sie wollen sich am liebsten spontan entscheiden und bis zum Anreisetag die Buchung kostenlos stornieren können.

Insofern müssen sich Gastgeber, Gastronomen, Touristiker und Leistungsträger in einem sehr volatilen Umfeld behaupten. Erschwerend kommt hinzu, dass ausländische Destinationen fast keine coronabedingten Einschränkungen mehr kennen: Dadurch sind die einheimischen Gastronomen und Gastgeber im Wettbewerb deutlich benachteiligt.

Dennoch blickt die Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) als Destinationsmanagementorganisation (DMO) für die gesamte Ferienregion Schwarzwald zuversichtlich auf die sich abzeichnende Entwicklung. Die über dem Landesdurchschnitt liegenden Ankunfts- und Übernachtungszahlen in den ersten beiden Monaten des Jahres lassen hoffen, dass die Branche das Coronatief bald hinter sich lassen kann. Ein Unsicherheitsfaktor ist allerdings die Entwicklung im Ukraine-Krieg.

Für den Frühsommer liegen bei zahlreichen Gastgebern die Buchungen schon über dem Niveau vor Corona. Auch der Trend zu immer kürzeren Aufenthalten scheint gebannt, die Gäste bleiben wieder länger als bisher. Somit können auch bei geringeren Anreisezahlen höhere Umsätze und bessere Margen erzielt werden. Die Wertschöpfung für die Gastgeber steigt, der Tourismus kann so wieder zu dem bedeutenden Wirtschaftsfaktor in der Region werden, der er vor Corona war.

Osterurlaub wird im Schwarzwald traditionell eher kurzfristig gebucht und deshalb gibt es aktuell auch noch freie Betten in fast allen Unterkunftskategorien. Allerdings ist die Nachfrage hoch und schon jetzt sind renommierte Hotels und viele Ferienwohnungen nicht nur an Ostern bereits belegt, sondern verzeichnen auch erfreuliche Anfragen und Buchungen für den Sommerurlaub.

Der im vergangenen Jahr deutlich gestiegene Trend zu autarken Urlaubsformen in räumlicher Distanz zu anderen Gästen (Camping, Wohnmobil, FeWo) setzt sich aktuell noch fort. Die Hygiene- und Sicherheitskonzepte der Gastgeber im Schwarzwald haben sich jedoch in zwei Jahren Corona gut bewährt und stehen einem sicheren und intensiven Urlaub nicht im Weg.

Auch die Nachfrage aus den Auslandsmärkten zieht wieder an. Hier ist mit Aufheben der Corona-Einschränkungen mit einem deutlichen Buchungsanstieg in diesem Jahr zu rechnen. Vor Corona war jedes vierte Gästebett in der Ferienregion durch Gäste aus dem Ausland belegt. 

In Breisach sind inzwischen die ersten Kreuzfahrtschiffe eingetroffen und aktuell ist täglich mindestens ein Schiff angemeldet. Die Belegung ist fast 100 Prozent. Viele Studienreisende aus Übersee buchen wegen des Ukrainekrieges sehr oft ihre Donau-Flusskreuzfahrten um auf den Rhein – und davon profitiert dank des beliebten Breisacher Hafens auch der Schwarzwald. Flussreiseveranstalter haben sich umorientiert und fragen nun verstärkt nach Ausflugsprogrammen ab Breisach nach Freiburg und in den Schwarzwald.

Die Schwarzwald Tourismus GmbH hat während Corona nach Einschätzung ihres Geschäftsführers Hansjörg Mair „das Profil der Ferienregion erfolgreich geschärft“. Ein Indiz dafür ist laut Mair der „weiter gestiegene Zuspruch von Familien, von Aktiv- und Natururlaubern und insbesondere auch von jüngeren unternehmungslustigen und abenteuersuchenden Gästen“.

Mair: „Wir haben durch unsere Marketingmaßnahmen und die ständige Präsenz im Markt auch während Corona die Aufmerksamkeit potenzieller Gäste immer wieder auf den Schwarzwald gelenkt. Davon werden wir auch mittel- und langfristig profitieren. Sicher wird es bald wieder mehr Bundesbürger ins Ausland ziehen. Aber viele – vor allem auch jüngere Gäste – haben während der Pandemie die Vorzüge der heimischen Gefilde kennen- und schätzen gelernt. Sie wissen jetzt, wie authentisch, erlebnisreich, spannend, aber auch sicher und unkompliziert Urlaub im Schwarzwald sein kann.“

Auch der Krieg in der Ukraine lässt aktuell noch keine negativen Auswirkungen auf die Nachfrage nach Deutschlandurlaub erkennen. Die Buchungssignale stehen nach wie vor auf Grün. Die größte Herausforderung – so der STG-Geschäftsführer – sei aktuell nicht eine mangelnde Nachfrage nach Urlaub, sondern das eingeschränkte Angebot.

Mair: „In der Gastronomie und in der Hotellerie fehlen inzwischen so viele Mitarbeiter, dass häufig der Service eingeschränkt oder zeitlich nur begrenzt angeboten werden kann. Auch wenn eine Gaststätte nur tageweise oder nur abends geöffnet ist, trägt das nicht zu einem im Schwarzwald erwarteten uneingeschränkten Genusserlebnis bei.“

Um die während der Corona-Schließzeiten in andere Berufe gewechselten Fachkräfte zu ersetzen, sucht die STG deshalb auf vielen Wegen gemeinsam mit IHK, Dehoga und Arbeitgebern in der Region nach Wegen, neue Mitarbeiter anzusprechen und für die Region zu gewinnen. Als Impulsgeber, Enabler und Vernetzer will die DMO dazu alle Beteiligten im Kompetenzzentrum Tourismus in der Wiesentalstraße in Freiburg an einen Tisch bringen.

Parallel zum Werben um Fachkräfte einerseits und Gäste andererseits, richtet die STG ihren Fokus weiter auf Fragen der nachhaltigen Destinationsentwicklung und einer umweltfreundlichen Mobilität. Mair: „Wir wollen den Schwarzwald zu einer Destination entwickeln, in der Einwohner und Urlauber sich gleichermaßen wohlfühlen und nachhaltig mobil sein können. Sie sollen sich selbst als gestaltenden Teil dieses Lebens-, Arbeits- und Freizeitraumes wahrnehmen.“ Die Ferienregion soll so zum „Resonanzraum“ für alle werden, in dem man sich zuhause fühlt oder zumindest während des Urlaubs zuhause sein möchte.

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