Der Bollenhut: Von der traditionellen Tracht zur touristischen Marke

Wer vom Schwarzwald liest oder hört, denkt sofort an den roten Bollenhut, der weltweit zum Markenzeichen und Wiedererkennungsmerkmal für die Ferienregion geworden ist. Der Bollenhut ist international bekannt und für Urlauber, aber auch viele, die den Schwarzwald nicht aus eigener Erfahrung kennen, ist die traditionelle Kopfbedeckung fest mit dem Schwarzwald verbunden.

Historische Hintergrundinformationen

Dabei ist die Tracht mit dem Bollenhut nur eine von etwa 120 Schwarzwälder Trachten. Und sie wird nur in den drei Dörfern Gutach, Kirnbach und Reichenbach im mittleren Schwarzwald getragen. Den Namen hat ihr die größte dieser Gemeinden gegeben, in der heute noch nahezu alle Teile der Tracht handwerklich hergestellt werden.

Auffälligstes Merkmal der Gutacher Tracht ist der Bollenhut, ein mit weißer Masse gefestigter Strohhut, auf den in Kreuzform elf große und drei im Ansatz erkennbare Wollbollen aufgenäht sind. Das Gewicht des Hutes beträgt etwa zwei Kilogramm.

Ledige Frauen tragen den roten Bollenhut von der Konfirmation bis zur Hochzeit, der Hut der verheirateten Frauen wird mit schwarzen Bollen besetzt. Auch die anderen Trachtenteile tragen dazu bei, dass die Gutacher Tracht unter den vielen Schwarzwaldtrachten einen herausragenden Platz einnimmt. Der schwarze Wiefelrock, das Samtmieder mit eingestickten Blümchen, das Goller auf dem Dekolleté, der mit Flitterzeug bestickte Kragen, das weiße Hemd mit Puffärmeln und bei den Herren der schwarze, rot gefütterte Schobe (=Jacke) ergeben ein malerisches Bild. Im 18. Jahrhundert war dieses Grundmuster als alte „teutsche Tracht“ weit verbreitet. Erst mit zunehmendem Wohlstand und der Befreiung von Kleiderordnungen entwickelte sich die bunte Vielfalt der Trachten.

Besonderheiten der Gutacher Tracht sind die schwarze Seidenkappe, die unter dem Hut getragen wird, das in die Haare geflochtene „Mäschle“, ein kurzer dicker Zopf aus Flitterzeug und Perlen sowie die Schäpeltracht, an Festtagen und zur Hochzeit sehen.

Der Bollenhut entwickelte sich im Zusammenhang mit der Strohflechterei und dem Aufkommen der Strohhüte. Aus einer Anweisung der herzoglich-württembergischen Kanzlei von 1797 geht hervor, dass auf die Strohhüte die „übliche Dekoration von schwarzer und roter Farbe“ aufzutragen sei. Dem Aufmalen der schwarzen und roten Kreisflächen folgte bald das Aufnähen von Wollrosen, die im Laufe des 19. Jahrhunderts immer größer wurden. Mit dem allgemeinen Wandel der Lebens- und Arbeitswelt seit der Bismarck-Ära wurde die Tracht immer weniger getragen. Im Gegensatz zu anderen Trachtengebieten blieb sie allerdings in Gutach durchgehend erhalten. Sie wird als ein schützenswertes Kulturgut gepflegt und von kundigen Trachtennäherinnen und der Bollenhutmacherin weiter gegeben.

In Gutach gibt es noch eine Bollenhutmacherin, Gabriele Aberle. Sie hat das Handwerk von ihrer Mutter erlernt. „Für einen Bollenhut benötige ich eine Woche bis er fertig ist und verarbeite zwei Kilogramm Wolle“, gibt sie Auskunft.

Die Tracht ist im kirchlichen und weltlichen Brauchtum fest verankert. Bei der Auferstehungsfeier am Ostersonntag, beim Erntedankfest (1. Sonntag im Oktober), bei gemeindlichen Festen und Feiern ist die schmucke Bollenhuttracht in Gutach zu sehen. Inzwischen wird sie schwarzwaldweit auch bei touristischen Veranstaltungen eingesetzt. Im Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach, im Trachtenmuseum Haslach und im Schwarzwaldmuseum in Triberg ist sie ausgestellt.

Künstler, Fotografen und Schriftsteller trugen dazu bei, die Gutacher Tracht bekannt zu machen. Ganz besonders verdienstvoll und nach außen wirkend war und ist das Schaffen der Gutacher Malerkolonie, begründet schon im 19. Jahrhundert durch Wilhelm Hasemann und Curt Liebich. Von Liebich stammt auch das Kriegerdenkmal mit einer trauernden Frau in Gutacher Tracht. In den Werken von weit über 100 Künstlerinnen und Künstlern findet sich immer wieder in unterschiedlichsten Darstellungsweisen die Tracht mit dem Bollenhut aus Gutach im Schwarzwald.

International bekannt wurde der Bollenhut mit dem Heimatfilm „Schwarzwaldmädel“, der 1952 im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Der erste deutsche Farbheimatfilm entstand nach einer Operette von August Neidhart unter der Regie von Hans Deppe. Die Hauptdarstellerin Sonja Ziemann in der Bollenhuttracht wurde für ein Millionenpublikum zur Ikone einer Bilderbuchlandschaft und zum Synonym für die heile Welt im Schwarzwald.

Eine Tracht wird zur Marke für eine ganze Region

Bereits 1939 warb der damalige Landesfremdenverkehrsverband mit einem Werbeprospekt, dessen Cover ein Mädel mit Bollenhuttracht vor einer typischen Schwarzwälder Landschaft zeigt.

Der neu gegründete Landesfremdenverkehrsverband Baden-Württemberg warb 1970 erstmals wieder mit einem Schwarzwälderin, deren roter Bollenhut sich vom kräftigen Grün im Hintergrund abhebt. 1993 brachte der geschwungene Schriftzug mit den großen Lettern SCHWARZWALD und dem stilisierten Bollenhut als Logo die damals existierenden drei Gebietsgemeinschaften Nord-, Mitte-, Südschwarzwald „unter einen Hut“. Im gleichen Jahr wurde der erste Reisebüro-Buchungskatalog für den Gesamtschwarzwald herausgegeben. 2009 wurde das Erscheinungsbild der Marke erneuert. Der fünfteilige Bollenhut mit der dynamisch geschwungenen Schriftlinie als Hutkrempe steht seither auf einem waldschwarzen Hintergrund.

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