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Weinerg Offenburg © Chris Keller / STG

weinprobe unterwegs

Weinprobe mal anders.

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Weinproben unterwegs

von Claudia List

Dass am Westrand der Ferienregion Schwarzwald guter Wein gedeiht, ist vielen bekannt. Doch auch am nördlichen Schwarzwaldrand sind engagierte und ausgezeichnete Winzer am Werk. Dazu gehört Jens Rüdiger, der bei „Walking Weinproben“ in Keltern von seiner Arbeit erzählt.

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Das fängt ja gut an! Die Gruppe hat noch keinen Schritt getan, da gibt’s bereits die erste Kostprobe, die gut zum sonnigen Wetter passt: „Rüdigers Secco“, einen Perlwein verfeinert mit einem Schuss Rhabarber-Sirup. Nicht nur der Secco, auch der Sirup stammt vom Weingut Rüdiger. Alles andere würde auch nicht zur Philosophie des Winzers passen, die er zum Start verkündet: „Wir wollen vom Pflanzen der Reben bis zum Ausschank alle Schritte in unserer Hand behalten.“

Mehr von diesen Schritten erzählt Jens Rüdiger bei seinen „Walking Weinproben“ in Keltern bei Pforzheim, wo seine Reben gedeihen. Bei der Tour geht es nicht darum, Strecke zu machen, und keiner braucht Stöcke – außer man übernimmt sich unterwegs bei den Weinproben, wie der junge Winzer mit einem Lächeln erklärt.

Mit einem kleinen roten Stoffbeutel zum Umhängen, in den das Weinglas gerade so reinpasst, machen sich die Weinwanderer auf den Weg durch die Weinberge. Sie liegen oberhalb von Keltern in hügeliger Landschaft, in der Ferne sind die Schwarzwaldberge zu erkennen. Vor rund 100 Jahren beackerten die Menschen hier noch 250 Hektar Reben und bauten vor allem Schwarzriesling und Müller-Thurgau an und aus. Als in Pforzheim die Industrie aufblühte und dort eine leichtere körperliche Arbeit als zuhause im Weinberg zu finden war, fielen immer mehr Flächen brach. Heute werden in Keltern, das zum Weinanbaugebiet Kraichgau gehört, rund 45 Hektar Rebfläche bewirtschaftet.

Gut 3,5 Hektar gehören zum Weingut Rüdiger, das seinen Sitz in Ottenhausen hat. Der Chef spaziert hinein in die Rebenreihen, greift in die Blätter und demonstriert, wie er die Pflanze während des Wachstums im Frühjahr anbindet. Später im Jahr entfernt er die Blätter um die Trauben herum, damit die Früchte möglichst viel Sonne abbekommen. „Dann wird die Schale dicker und das gibt dem Wein mehr Geschmack.“

Auf die nächste Kostprobe ist Jens Rüdiger besonders stolz: ein Müller-Thurgau Sekt brut, der beim internationalen Wettbewerb „awc vienna“ Silber gewonnen hat. Rüdiger hat mit seinem Weingut schon einiges erreicht: Er wird vom Weinführer Eichelmann empfohlen und „Der Feinschmecker“ hat ihn zu den Besten Deutschlands gewählt.

Dabei ist Jens Rüdiger gar nicht in einem Weingut groß geworden, sondern hat den Betrieb erst vor wenigen Jahren gegründet – nachdem der gelernte Koch auf den Geschmack gekommen war und eine Ausbildung beim Weingut Reichsrat von Buhl in der Pfalz und außerdem seinen Master in Önologie gemacht hatte.

Während seine Begleiter beim Spaziergang die Aussicht und die Kostproben genießen, beantwortet Rüdiger ihre Fragen und plaudert über seine Arbeit. Am Ende wartet noch eine Überraschung auf sie: Mitten in den Weinbergen hat das Winzerehepaar Bierbänke und Tische aufgebaut. Das Walking hat hier ein Ende, doch die Weinprobe geht weiter.

Mehr Infos:

"Walking Weinprobe": Die dreistündige Tour des Weinguts Rüdiger durch die Weinberge in Keltern kostet inklusive Verkostung und Imbiss 39 Euro pro Person. Walking Weinproben finden zwischen dem 28. April und dem 20. Oktober 2019 regelmäßig und für Gruppen auf Anfrage statt. Informationen zu weiteren Veranstaltungen und dem Weinberg-Geocaching unter Tel. 0157.77923536, oder auf www.ruedigers-weinwelt.de.

Der Name ist Programm: Mehrere Ortschaften mit eigener Kelter, in denen der Weinbau eine wichtige Rolle gespielt hat, haben sich vor rund 40 Jahren zur Gemeinde „Keltern“ zusammengeschlossen. Jedes Jahr im September veranstaltet der Ort ein Weinwanderwochenende. Außerdem informiert das Heimatmuseum in der alten Kelter in Ellmendingen über den Weinbau in früherer Zeit. Mehr Infos unter www.keltern.de.