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schließenAltes Spital Staufen
Architektur / Stadtplanung
Architekturbüro Bühler, Staufen
Bauherrschaft
Sozialstation Südlicher Breisgau e.V
Fertigstellung
2018
Auszeichnungen
Bauwerk Schwarzwald e.V. Architekturroute 2025, Auszeichnung Beispielhaftes Bauen AKBW Landkreis Breisgau- Hochschwarzwald 2015-2023
Geschichte / Entwurf / Aufgabenstellung
Das ehemalige Spital liegt in einem der ältesten Stadtteile Staufens, dem „Hinterstädtchen“, in unmittelbarer Nähe zur Martinskirche. Mit steilem Satteldach überragt das zweistöckige Gebäude die kleinen bürgerlichen, trauf-ständigen Häuser in der Nachbarschaft. Das freistehende Spital geht auf eine Gründung im 13. Jahrhundert zurück. Eine Stiftung von 1534 durch Freiherr Ludwig von Staufen brachte anscheinend eine bauliche Verbesserung. Im Jahr 1567 wurde das Gebäude abgerissen und unter Verwendung der vorhandenen Bauteile neu aufgebaut. Durch dendrochronologische Untersuchungen wurden die Balken auf 1574/81 datiert. 1738 wurde das Haus renoviert und bis 1961 als Spital/Krankenhaus genutzt, danach wurden dort von der Stadt Sozialwohnungen eingerichtet. Im Dezember 2014 wurde der Bauantrag für eine Tagespflege der Sozialstation Südlicher Breisgau e.V. mit zwei Betriebswohnungen gestellt. Anfang Juni 2016 wurde mit den Bauarbeiten begonnen und Anfang März 2018 wurde die Tagespflege in Betrieb genommen.
Im Erdgeschoss sind eine Küche, Speise- und Aufenthaltsraum sowie notwendige WC-Anlagen und eine Erdterrasse eingebaut. Im Obergeschoss befinden sich drei Ruheräume mit einer Loggia, sowie Sozial- und Büroräume. Im Dachgeschoss ist eine kleine, behindertengerechte Ferienwohnung entstanden sowie eine große Wohnung, die als Betriebswohnung der Tagespflege genutzt wird. Die zur Wohnung gehörende Dachterrasse auf dem neu erstellten Treppenturm bietet einen wunderbaren Blick über die Dächer des Hinterstädtles, die katholische Kirche und den Schlossberg. Im vorhandenen Nebengebäude sind ein Werkraum, die Heizung und ein Abstellraum untergebracht.
Konstruktion / Materialien
Für das Nutzungskonzept «Tagespflege» war es notwendig den Erdgeschossfußboden auf das Niveau der Spitalstraße abzusenken. Um die erforderliche Raumhöhe zu erzielen, wurden die Deckenbalken über dem Erdgeschoss in die ursprüngliche Höhenlage gebracht. Durch den Einbau eines neuen Dachstuhls konnte die Decke über dem Obergeschoss höher gelegt werden. Die vorhandenen Raumstrukturen konnten für die Tagespflege größtenteils erhalten bleiben, jedoch wurde es notwendig, über zwei Geschosse im Mittelflur, ein neues Tragwerk in Stahl einzufügen. Außen- und Innenwände mussten bis auf den tragfähigen Untergrund gegründet werden. An den Giebelwänden wurde innen eine Vormauerung aus ökologischem Dämmstein erstellt. Im Erdgeschoss wurde eine Wandheizung installiert, die aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Erdreich abtrocknet. Für die geplante Nutzung wurde ein Treppenhaus mit behindertengerechtem Aufzug notwendig. Der neue, massiv ausgeführte Anbau auf der Westseite des Spitals, an der Stelle der ehemaligen Aborte, dient zugleich zur Aussteifung des Altbaus.
Vorhandene Materialien, die wiederverwendet werden konnten, sind sichtbar geblieben. Die Deckenbalken im Erdgeschoss und die Küchendecke sind historisch, wie auch einige Tür- und Ofengewände aus Sandstein. Je eine runde Holzstütze im Erdgeschoss und im Obergeschoss konnten erhalten werden. Im neuen Eingangsbereich wurden alte Sandsteinplatten wiederverwendet. Im Obergeschoss konnte eine Holzständerwand mit Lehmgefachen ertüchtigt werden.
Als neue Materialien wurden überwiegend natürliche Baustoffe gewählt: Naturstein- und Holzfußböden, Holzdecken, teilweise Kalkputz an den Wänden, Holzfenster und Zellulosedämmung.
Energetische Effizienz/ Nachhaltigkeit
Das Dach wurde erneuert und nach dem zeitgemäßen Standard errichtet. Die Giebelwände haben innen eine Vormauerung erhalten aus einem ökologischen Dämmstein. An den Erdgeschosswänden wurde eine Wandheizung installiert, die aufsteigende Erdfeuchte abtrocknet. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung versorgt die großen Aufenthaltsräume im Erdgeschoss.
Brennwertheizung im Nebengebäude, Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung. Fußboden- und Wandheizung im EG, Akustikdecke in den Aufenthaltsräumen im EG, Induktive Höranlage in den Aufenthaltsräumen im EG, Brandmeldeanlage, Weglaufschutz (Schutzengelsystem) Tageslichtsimulation in den Aufenthaltsräumen.
Unterm Strich
Die Stadt Staufen konnte als Eigentümer des Alten Spitals eine neue Nutzung für das historische Gebäude finden, die der ehemaligen Nutzung entspricht und als Tagespflege gut angenommen wird. Durch die umfangreiche Sanierung des zweigeschossigen Gebäudes mit Garten, das seit Jahrhunderten den Ort an der Martinskirche im Stadtkern Staufen prägt, konnte der besondere Charakter des Ortes erhalten bleiben.
Wichtig für die regionale Baukultur ist eine gute Durchmischung von alten und neuen Gebäuden. Alte Gebäude mit einer langen Geschichte sollten, wenn möglich, einer neuen Nutzung zugeführt werden, so dass sie weiter bestehen bleiben können. Durch die Einfügung der Tagespflege ins Alte Spital wurde ein Ort geschaffen, wo sich Menschen wohl fühlen.
Kontakt
Adresse
Altes Spital Staufen
Spitalstraße 33
79219 Staufen (Kernstadt)
Ansprechpartner
Gülsah Saka
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