In den 20er Jahren geht es steil aufwärts
Insbesondere der Skitourismus erlebte in den 20er Jahren seine Boomzeit. Die Reichsbahn führte 1922 Skisonderzüge in den Schwarzwald ein, ab 1931 gibt es auf der Höllentalbahn sogar Spezialwagen für Wintersportler. Schon 1905 hatte es erste Skispringen gegeben, 1924 in Schönwald und 1925 in Hinterzarten wurden nun die ersten großen Sprungschanzen gebaut. 1930 zählte die Statistik in Baden 110 Ferienorte mit Rodelbahnen, 103 mit Skipisten, 57 mit Eissportmöglichkeiten, 40 mit Sprungschanzen und 40 mit Bobbahnen
1926 richtete der Badische Verkehrsverband eine eigene Pressestelle ein. Doch schon 1925 versandte er seine „B.V.-Nachrichten“ an 500 Redaktionen, gab Hotelführer, Broschüren für Schwarzwald, Oberrhein und Bodensee heraus. Die Übernachtungszahlen stiegen bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 kontinuierlich. 1929 zählte der Verband 142 Mitgliedsgemeinden. Zu den meist umworbenen ausländischen Gästen zählten nach der Rezession von 1929 Engländer – 1933 wurde beim Schwarzwaldhotel in Titisee für sie sogar eine moderne Tennisanlage mit zwei Sandplätzen gebaut.
Drittes Reich bringt neue Strukturen und neuen Verbandssitz
1933 übernahm Fritz Gabler (1876-1953), Hotelier des „Europäischen Hofs“ in Heidelberg, das Präsidentenamt und führte den – wie er ab 1936 genannt wird – „Landesfremdenverkehrsverband Baden“ bis 1945. 1942 wurde die Geschäftsstelle des Landesfremdenverkehrsverbandes von Karlsruhe nach Straßburg verlegt und der Name in „Fremdenverkehrsverband Baden-Elsass“ geändert.
Zwar ging es ab 1934 mit den Übernachtungszahlen wieder stürmisch aufwärts, aber so richtig froh wurde keiner damit. Denn in ihren Zielen diktierte die NS-Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) auch die Preise: Statt der üblichen 5 Reichsmark bekamen die Gastgeber im Schwarzwald für einen KdF-Urlauber maximal 2,80 RM für Vollpension. Die Reichsbahn musste KdF-Urlaubern in der 3. Klasse 75 Prozent, in der 2. Klasse 50 Prozent Rabatt einräumen.
Der 2. Weltkrieg brachte den Tourismus dann ohnehin fast zum Erliegen. Zwar wies der Verband immer wieder darauf hin, dass die Orte noch Urlauber aufnehmen. Doch viele Hotels wurden mit „Bombengästen“ aus den Städten belegt oder zu Lazaretten umfunktioniert. Der Verband organisierte die Unterbringung von Kriegsflüchtlingen, verwundeten Soldaten und die Kinderlandverschickung.
Siegermächte setzen Rahmenbedingungen für den Neuanfang
Bei Kriegsende beschlagnahmten die Siegermächte die meisten Hotels. Viele Orte waren mit Verwundeten und Flüchtlingen belegt. Vorübergehend organisierte der Verband eine Art Wohnungstausch: Die Kurorte nahmen Städter auf, in deren Wohnungen dann die für den Wiederaufbau der Städte notwendigen Handwerker untergebracht wurden.
Wie früher durch die Länder war der Schwarzwald 1945 durch die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Besatzungszonen geteilt: Schon im Dezember 1945 gestatteten die Franzosen in ihrem Bereich die Neugründung des „Badischen Fremdenverkehrsverbandes“, jetzt mit Sitz in Freiburg. Präsident wurde der Gutacher Nähseidenfabrikant Paul A. Gütermann (1887-1959). Mit Geschäftsführer Harry Schaefer, Intendanzrat am Freiburger Stadttheater, Direktor des Verkehrsvereins Freiburg und Zunftmeister der Oberrheinischen Narrenzünfte, führte er den neuen Verband bis 1947.
Als 1946 die Amerikaner auch in ihrer Zone die Neugründung von Verbänden gestatteten, bildeten sich ein Nordbadischer, ein Nordwürttembergischer und ein Südwürttembergischer Fremdenverkehrsverband. Diese Trennung sollte lange bestimmend bleiben. Eine Entscheidung des 1947 zum neuen Präsidenten des Badischen Fremdenverkehrsverbandes gewählten Badenweiler Hoteliers Louis Joner (1880-1965) und seines hauptamtlichen Geschäftsführers Dr. Wilhelm Boos (1902-1997) zementierte die Entwicklung noch: Sie unterteilten das Verbandsgebiet in sechs Gebietsausschüsse. Bodensee-Hegau, Hochrhein-Hotzenwald, und Markgräflerland-Südlicher Hochschwarzwald-Freiburg, Schwarzwaldbahn-Ortenau und Nordschwarzwald. Mit der Währungsreform 1948 wurde auch die Tourismuswerbung wieder aufgenommen. Der Versuch, mit dem nordbadischen Verband in Heidelberg zu fusionieren, scheiterte allerdings.
Schon 1952: Vorkriegszahlen übertroffen
Im ersten Nachkriegs-Unterkunftsverzeichnis des Schwarzwaldes finden sich keine 40 Hotels. Aber Dr. Wilhelm Boos erwirkte bei der französischen Kommandantur die zügige Freigabe der besetzten Hotels. Schon 1947 hatten sie Bad Krozingen als erstes Bad im Südwesten wieder den Kur- und Badebetrieb aufnehmen lassen, 1949 folgte Bad Dürrheim, 1950 Baden-Baden. 1950 wurde auch der Feldberger Hof mit damals 240 Betten wieder für Touristen freigegeben.
Mit dem Tourismus ging es im französisch verwalteten Baden der Nachkriegszeit schnell aufwärts: 1950 waren bereits wieder 62 Prozent der Vorkriegsübernachtungen errreicht, am Bodensee sogar 82 Prozent. Zwei Jahre später registrierte der Verband sogar 700.000 „Fremdenübernachtungen“ mehr als vor dem Krieg. 1949 hatte er sich umbenannt in „Badischer Fremdenverkehrsverband Schwarzwald – Bodensee – Oberrhein“.
Als Joner 1952 den Präsidentenstuhl an Erwin Haas (1884-1969) übergab, den ehemaligen Hotelier des im Krieg zerstörten und nicht wieder aufgebauten „Zähringer Hof“ in Freiburg, war der Badische Fremdenverkehrsverband auf 278 Mitgliedsgemeinden angewachsen. Seit 1950 kooperierte er mit dem Deutschen Bäderverband in der Patientenwerbung bei Ärzten für eine Schwarzwaldkur.
Wirtschaftswunder beschleunigt den Aufschwung
1952 schlossen sich Baden und Württemberg zu einem Bundesland zusammen. Neu beschlossene Kurfördermaßnahmen begünstigten den Ausbau der Kuranlagen, den Neubau von Kurkliniken und von Ortsinfrastruktur. Von dieser Regionalförderung konnte der Schwarzwald mit seinen Heilbädern und Kurorten deutlich profitieren. Die Kurorte erwiesen sich bis Mitte der 60er Jahre als Motor der touristischen Nachkriegsentwicklung im Schwarzwald.
Und das Wirtschaftswunder zeigte Wirkung: Mit steigenden Löhnen und sinkender Arbeitszeit wuchs die Nachfrage nach Urlaub. „Gesellschaftsreisen“ mit Hummel, Scharnow und Touropa waren auch für Bezieher kleinerer Einkommen erschwinglich und füllten zu Beginn der 50er Jahre auch die Hotelbetten im Schwarzwald. Eilig wurden neue Hotels und Gästezimmer gebaut: 1953 registrierte die Statistik im Verbandsgebiet 30.827 gewerbliche und 8.944 Betten bei Privatvermietern. Drei Jahre später waren es schon 38.061 Hotelbetten und 20.061 Betten in Privatzimmern.













