Schwarzwald-Idylle wird zur Filmkulisse

Die Sehnsucht der Deutschen nach einer heilen Welt trug das Ihre zum schnellen Wiedererblühen des Schwarzwaldtourismus bei: Als erster deutscher Nachkriegsfilm in Farbe wurde im September 1950 „Das Schwarzwaldmädel“ ausgestrahlt, 14 Millionen Zuschauer sahen Sonja Ziemann und die idyllische Schwarzwaldlandschaft um St. Peter

Überhaupt verdankt der Schwarzwald viel von seiner Popularität den bewegten Bildern: 1965 wurde im „Forellenhof“ bei Baden-Baden die erste deutsche Fernsehserie produziert, 20 Jahre später ging die „Schwarzwaldklinik“ von Herbert Lichtenfeld und Wolfgang Rademann auf Sendung. Bis 1989 wurden 73 Folgen von jeweils 45 Minuten produziert und ausgestrahlt. Bis zu 28 Millionen Menschen sahen jede Woche die heile Schwarzwaldwelt, sieben Mal wurde die Serie, zuletzt 2005 im ZDF, ausgestrahlt. Rund 550 Millionen Menschen in 38 Ländern kennen das Hüsli in Grafenhausen als Privatwohnung von Professor Brinkmann. Seit 1994 sendet der SWR wöchentlich „Die Fallers“. 2006 wird die 500. Folge ausgestrahlt, im Schnitt verfolgen inzwischen eine Million Zuschauer die Sendung. 2002 sorgte die vierteilige SWR-Serie „Schwarzwaldhaus 1902“ für Publicity und bescherte dem Münstertal steigende Gästezahlen.

Straßen für Urlauber
Und noch etwas anderes machte den Schwarzwald in den 50er Jahren zum Traumziel vieler Urlauber: das neue Automobil. Bereits in den 20er Jahren war das „Autowandern“ bei wohlhabenden Urlaubern in Mode gekommen. Gäste ohne eigenes Auto ließen sich im offenen Bus des „Höhenverkehr Freiburg“ durch den Schwarzwald fahren. Die schon 1930/31 zur touristischen Erschließung der Region angelegte „Schwarzwaldhochstraße“ zwischen Baden-Baden und Freudenstadt bekam einen neuen Belag. 1954 wurde die „Badische Weinstraße“ von Baden-Baden bis Basel ausgeschildert, 1960 die „Schwarzwald Tälerstraße“ und die „Route Verte“ beiderseits des Rheins.
Die schon vor dem Krieg gebaute Autobahn von Hamburg nach Karlsruhe wurde 1962 bis Basel fortgeführt. Jetzt warb der Verband mit dem Slogan „Auf der Autobahn in den Schwarzwald“. In der automobilen Gesellschaft gewannen Tagesausflüge schnell an Bedeutung. Den Tagestouristen versuchte man die Erholung so leicht wie möglich zu machen: 1964 wies der Verband stolz auf die „erfreuliche Vermehrung der Waldparkplätze“ hin.

Neue Unterkunftsarten sind gefragt
Mit den Automobilisten kamen auch zunehmend Individualisten. Die Ansprüche an die Unterkünfte stiegen, man wollte sich nicht mehr mit einem Zimmer im Hotel oder einer Pension begnügen. „Ungebundene Urlaubsformen“ in Ferienwohnungen waren gefragt, die Nachfrage nach Bauernhofurlaub und Campingurlaub zog deutlich an, am Westrand kam Urlaub beim Winzer in Mode. Schon in den 50er Jahren war der Weinbau in der Vorbergzone des Schwarzwaldes als wichtiger Teil der Ferienregion ins Bewusstsein der Urlauber gerückt, die „Weinstraße“ betonte den Genießeraspekt eines Schwarzwald-Urlaubes. 1952 entstand in Breisach die erste „Zentralkellerei“. 12.500 ha der insgesamt 15.400 ha Rebflächen des drittgrößten deutschen Weinanbaugebiets gehören noch heute zur Ferienregion Schwarzwald. Ab 1960 warben der Slogan „Badischer Wein – von der Sonne verwöhnt“ und das fröhliche Sonnenmännchen für die Region.
Das Sonnenmännchen konnte es jedoch auch nicht mehr richten, Werbeslogans wie „Sonne ist gut – Schwarzwaldklima ist besser“ halfen nicht wirklich: Deutschland wurde den Urlaubern bald zu klein, Mitte der 60er Jahre waren die Mittelmeeranrainer zum stärksten Konkurrenten für den Urlaub im Schwarzwald geworden. 1968 machten erstmals mehr Deutsche Urlaub im Ausland als im Inland. Die Ferienunterkünfte im Verbandsgebiet waren zu der Zeit auf fast 85.000 Betten, davon 30.000 in Privatunterkünften gestiegen. Die durchschnittliche Belegung ging immer mehr zurück obwohl sich statistisch gesehen die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Urlauber zu der Zeit noch verlängerte – bis auf eine Woche Mitte der 70er Jahre.

Erster Dachverband entsteht 1974
Die 70er Jahre begannen für den Verband, 1969 umbenannt in „Fremdenverkehrsverband Schwarzwald – Bodensee“, mit intensiven Strukturdiskussionen. Seit 1970 war Alfred Mallebrein (1907-1982), Landrat im Kreis Hochschwarzwald Präsident des Verbandes in der Nachfolge von Dr. Josef Brandel (1901-1964) und Wilhelm Ellighofer (1897-1972). Geschäftsführer wurde 1972 Otto Zumkeller (1921 – 2001). Der 1970 gegründete Landesfremdenverkehrsverband Baden-Württemberg drängte auf Bildung eines einheitlichen Tourismusverbandes für den Schwarzwald, scheiterte aber 1973 endgültig am Widerstand von Oberschwaben und Bodensee, die ihre Zukunft im Fremdenverkehrsverband Schwarzwald – Bodensee sichern wollten.
Doch die 49 Gemeinden im schwäbischen Norden des Schwarzwaldes sahen sich im Württemberger Verband nicht ausreichend vertreten. So gründeten sie im März 1974 unter Federführung von Bürgermeister Robert Traub aus Bad Herrenalb die „Gebietsgemeinschaft Touristik Nördlicher Schwarzwald e. V.“ Im Juli 74 schien die Lösung gefunden: Die Mitgliederversammlung des Fremdenverkehrsverbandes Schwarzwald – Bodensee beschloss das Ausscheiden der Mitglieder der Region Bodensee und Oberschwaben und zugleich den Beitritt der 49 Nordschwarzwälder Gemeinden sowie der Städte Karlsruhe und Pforzheim. Damit existierte 1974 erstmals ein übergreifender Fremdenverkehrsverband für den gesamten Schwarzwald.
Doch die Chance, den neuen „Fremdenverkehrsverband Schwarzwald“ zur schlagkräftigen Vermarktungsplattform zu gestalten, scheiterte nicht zuletzt an politischen Befindlichkeiten und an Zentralisierungstendenzen im Stuttgarter Landesverband. Dort stritt man monatelang, ob die vier Ferienregionen Schwarzwald, Bodensee, Schwäbische Alb/Schwäbischer Wald und Rhein-Neckar-Tauber nur durch Filialen des Landesverbandes oder durch eigenständige Regionalverbände unter dem Dach des Landesverbandes geführt werden sollen. Aus Protest über die lähmende Auseinandersetzung trat LFV-Präsident Dr. Hermann Person zurück. Am Ende stand ein Kompromiss: Der Landesfremdenverkehrsverband bekam zwar zentrale Aufgaben zugesprochen, aber der Schwarzwald blieb als eigenständiger Regionalverband bestehen, seine Position im Landesverband wurde gestärkt.

Naturnaher Urlaub wird im Schwarzwald neu definiert
In den Tourismusgemeinden der Ferienregion hatte sich Anfang der 70er eine wesentliche Veränderung vollzogen: Die großen Hotels verloren erstmals seit den 50er Jahren wieder Gäste, Ferienhäuser, Appartements und ungebundene Unterkunftsformen meldeten dagegen „gute Belegung“. Die anspruchsvoller gewordenen Gäste verlangten neue Angebote: Hoteliers an Titisee und Feldberg erfanden das „Wandern ohne Gepäck“.
Der naturnahe Wanderurlaub, seit dem 19. Jh. die wichtigste Urlaubsaktivität im Schwarzwald war neu definiert. Die neue Urlaubsform „Wandern ohne Gepäck“ eroberte in den letzten 35 Jahren vom Schwarzwald aus die Welt. In der Ferienregion sind heute mehr als 23.000 Kilometer Wanderwege nach dem neuen Leitsystem des Schwarzwaldvereins ausgeschildert, Hotels werden nach den Qualitätskriterien des Deutschen Wanderverbandes und des Deutschen Tourismusverbandes zertifiziert und der „Westweg“ als „Qualitätswanderweg“ auf die deutlich gestiegenen Ansprüche der heutigen Wandergeneration abgestimmt. Seit Ende der 90er Jahre „Nordic Walking“ als sportliche Variante des Wanderns populär wurde, wurden in der Ferienregion mehr als 1500 Kilometer Nordic-Walking-Strecken ausgeschildert.

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