Wiege des Wintersports
Und dann begann auch noch der Siegeszug des Wintertourismus: 1891 hatte der Franzose Dr. Pilet, Gast im Feldberger Hof den Feldberg aus dem Höllental herauf auf Skiern erklommen. Gäste und Einheimische waren fasziniert, noch 1891 gründete sich der „Skiclub Todtnau“, 1895 der „Skiclub Schwarzwald“ (SCS), 1905 der „Deutsche Skiverband“ (DSV)
1892 wurden von der Firma Karl Köpfer und Söhne in Bernau die ersten Skier in Serie gefertigt, 1906 als „Skier Marke Feldberg“ patentiert. Sie kosteten 14 Reichsmark, was etwa einem Wochenlohn entsprach, Importskier aus Norwegen kosten 22 Reichsmark. 1900 wird zwischen Feldberg und Belchen die erste Deutsche Skimeisterschaft ausgetragen.
Mit Erfindung des Autos wird der Schwarzwald weiter erschlossen
Ende des 19. Jahrhunderts, die Bahn erschloss schon den Hochschwarzwald, wurde das Automobil erfunden. Nun begann eine Renaissance des Straßenbaus im Schwarzwald: Omnibuslinien wurden eingerichtet. Die erste ersetzte die Postkutschenlinie von Titisee nach St. Blasien. Andere führten 1904 von Freiburg über den Schauinsland nach Todtnau, von Denzlingen ins Glottertal, von Staufen ins Münstertal oder in der Ebene von Breisach nach Schallstadt. Wegen der schlechten Straßen, der geringen Nachfrage und den hohen Reparaturkosten gaben die meisten Betreiber aber bald wieder auf.
Tourismus bekommt eigene Organisationsstrukturen
Das Werben um Sommerfrischler, Wintersportler und Natururlauber zeitigte zum Ende des 19. Jh. guten Erfolg. Der Schwarzwald hatte sich einen festen Platz auf der „touristischen“ Landkarte Deutschlands gesichert. Immer mehr Orts- und Verschönerungsvereine wurden zu Verkehrsvereinen und warben um Touristen. Und so war die Gründung des „Badischen Landesverbandes zur Hebung des Fremdenverkehrs“ am 16. Juni 1906 nicht so sehr der Not geschuldet, neue Touristen gewinnen zu müssen, sondern entsprang eher der Einsicht weitsichtiger Touristiker, dass auf Dauer nur ein einheitliches Image und gemeinsames Werben Erfolg haben würde. Damit begann vor nun 100 Jahren die Ära der koordinierten touristischen Dachmarkenbildung.
Der Ausbau der touristischen Infrastruktur im Schwarzwald wurde aber weiterhin eingeschränkt durch die Zugehörigkeit des Mittelgebirges zu zwei verschiedenen Ländern: das Großherzogtum Baden und das Königreich Württemberg. 1908 gründet sich in Plochingen die „Württembergische-Hohenzollerische Vereinigung für Fremdenverkehr“. Eine Kooperation beider Verkehrsverbände ist jedoch nicht erkennbar. Kennzeichnend für die Zeit war eher die Auseinandersetzung um den Bau der Murgtalbahn: An der 58 Kilometer langen Strecke zwischen Rastatt und Freudenstadt plant und werkelt man 70 Jahre lang. Auch nach der Fertigstellung 1928 müssen an der Grenze noch lange Lokomotive und Personal gewechselt werden.
Die Anfänge des Massen-Tourismus im modernen Sinne sind direkt mit der Entwicklung des Eisenbahnwesens verbunden. 1909 schickte der Landesverband Baden deshalb Eisenbahninspektor Otto Rieger in das neu gegründeten „Internationalen Verkehrsbüro“ der Bahn in Berlin, um die touristischen und wirtschaftlichen Interessen Badens zu wahren.
1911 beteiligte sich der badische Verband erstmals an der „Internationalen Ausstellung für Reise und Verkehr“ in Berlin, 1912 gab er das „Badner Land – Bodensee und Rhein – Der Schwarzwald“ als „illustrierte Zeitschrift für Wandern und Reisen, Industrie, Handel und Verkehr“ in zahlreichen Städten zwischen Aachen und Zwickau, in der Schweiz, in Russland, England, Frankreich, Italien, Österreich und Holland heraus.
Bezahlter Urlaubsanspruch erst im 20. Jahrhundert
Zunächst sind Akademiker, Studenten, wohlhabende Städter und Industrielle die Stütze des Tourismus. Doch auch die höheren Angestellten von Siemens und anderen Firmen bekommen Ende des 19. Jh. schon bezahlten Urlaub. 1907 forderte erstmals die Gewerkschaftszeitung „Correspondenzblatt“ auch bezahlte Urlaubstage für Arbeiter ein.
1912 hatten schließlich acht Prozent der Industriearbeiter in Deutschland Anspruch auf einige bezahlte Urlaubstage. Damit änderte sich auch die Gästestruktur im Schwarzwald. Jetzt reisten auch einkommensschwächere Gruppen: Naturfreundehäuser und einfache Herbergen für Schüler, Studenten und Wanderer wurden gebaut.
Tourismus sichert Schwarzwäldern ein Einkommen
Kleine Pensionen und Privatzimmer entstanden. Für viele Schwarzwälder kam die Entwicklung gerade zur rechten Zeit: Seit 1894 Jakob Kienzle seine Uhrenmanufaktur in Schwenningen auf die „amerikanische“ maschinelle Produktion umgestellt hatte, und seit Junghans in Schramberg 1903 zur weltgrößten Uhrenfabrik wurde, war das früher für den Schwarzwald typische Hausgewerbe Uhrmacherei nicht mehr konkurrenzfähig. Mit der Erschließung des Waldes durch Eisenbahn und Straßenbau wuchs auch der Druck auf Waldarbeiter und Flößer. Die Vermietung an die Gäste, die jetzt verstärkt in den Wald kamen, wurde für viele zur rettenden Ersatz-Einnahmequelle.
Doch der erste Weltkrieg 1914 brachte die Hoffnung schnell zum Erliegen. Der Badische Landesverband musste nun in den Kurorten die „Bäderfürsorge“ und die „Brotabgabe“ organisieren und nach Kriegsende 1918 war Baden Grenzland zu Frankreich. Nun galt es, der „Fremdenindustrie“, wie es damals hieß, schnell wieder auf die Beine zu helfen. Der Badische Verkehrsverband propagierte folglich Urlaub in der Heimat als „vaterländische Pflicht“.
Neue Strukturen nach dem 1. Weltkrieg
Am 12. Oktober 1919 übergab Verbandsgründer Ostertag den Vorsitz an den Fabrikanten Leopold Kölsch (1870-1922). 1920 wurde der Badische Landesverband zur Hebung des Fremdenverkehrs umbenannt zu „Badischer Verkehrsverband“. Der Karlsruher Eisenbahninspektor Otto Rieger, von 1909 bis 1916 Repräsentant Badens in Berlin, wird 1921 der erste hauptamtliche Geschäftsführer und bleibt es bis 1945. Als neuer Präsident nach dem überraschenden Tod von Kölsch 1922 führte Willy Menzinger, Stadtrat, Generalkonsul und Reedereidirektor, den Badischen Verkehrsverband durch eine schwierige Zeit bis zur Gleichschaltung durch die Nazis 1933.
In der Weimarer Republik hatten nun zwar auch einkommensschwächere Gruppen verbürgte Urlaubsansprüche, gleichzeitig verarmten aber in der Folge der Inflation die vermögenden Schichten, die bisher die Gästestruktur im Schwarzwald prägten. Übernachtungen in den Hotels und gewerblichen Betrieben gingen zurück, Privatquartiere, Ferien- und Erholungsheime waren jetzt gefragt: 1921 zählten die 31 badischen Jugendherbergen bereits mehr als 18.000 Übernachtungen, 1925 standen die Hälfte aller Hotelbetten in 121 Erholungsheimen.












