Kurorte: Vom Aufbruch zum Krisenmanagement

In den Kurorten konnten Wandern und Nordic Walking erfolgreich in die Behandlungsangebote integriert werden. Bis Mitte der 60er Jahre waren die Kurorte die eigentlichen Motoren der touristischen Entwicklung im Schwarzwald gewesen. Auf die Heilbäder entfielen damals etwa 36 Prozent aller Übernachtungen, auf die Luftkurorte weitere 55 Prozent.

Doch danach führten gesetzliche Einschränkungen und Sparmaßnahmen der Kassen zu erheblichen Rückgängen. Die deutlichsten Einbrüche brachte 1989 die 1. Stufe der Gesundheitsreform: Innerhalb eines Jahres verloren die Heilbäder und Kurorte rund 1,4 Millionen Übernachtungen. Gesundheitsreformen 1993, 1997 und 2004 beutelten die Bäderregion im Südwesten weiter. Doch seit den 90er Jahren wird mit Wellness erfolgreich gegengesteuert. Nirgendwo wurden seit 1994 so viele Hotels und Thermen mit „Wellness-Stars“ ausgezeichnet, wie in der Ferienregion Schwarzwald.

Die 80er Jahre: Hotelsterben, Waldsterben, Übernachtungsrekorde
Als Robert Traub 1980 die Amtsgeschäfte für den zurückgetretenen Präsidenten Alfred Mallebrein übernahm, war der Schwarzwald noch eine heile Welt. Zwar zeigten sich bereits Anzeichen für das spätere „Hotelsterben“, doch Ferien auf dem Bauernhof und in Ferienwohnungen kompensierten dies. Meldungen über das „Waldsterben“ begegnet der Verband mit der Herausgabe einer „Klimafibel“, in welcher die Vorzüge des Schwarzwaldklimas für die Gesundheit herausgestellt werden.
In den 80er Jahren mussten rund 900 Hotels schließen, die Zahl der Übernachtungen in gewerblichen Betten stieg aber bis 1989 auf ein Rekordniveau, das dann nur nach der Wiedervereinigung von 1990 übertroffen wurde: 1991 zählte man in den gewerblichen Betten 21,3 Millionen Übernachtungen. Seither gingen die Übernachtungszahlen trotz steigender Gästezahlen zurück, 2005 auf 18,6 Millionen in gewerblichen Betten. Blieben die Gäste 1975 im Schnitt noch 6,8 Tage in der Ferienregion, waren es im Jahr 2005 nur noch 3,1 Tage.

Aufbruchstimmung: ein Dachverband, drei Gebietsgemeinschaften
1986 geht Geschäftsführer Otto Zumkeller in den Ruhestand, sein Nachfolger wird Bernd Goebel, der den Fremdenverkehrsverband Schwarzwald bis zu seiner Modernisierungs- und Umstrukturierungsphase führt. Im gleichen Jahr richteten die Landkreise Schwarzwald-Baar und Rottweil als eine der ersten in Deutschland eine „Zentrale Zimmervermittlung“ ein, um die herum sich 1987 die „Gebietsgemeinschaft Mittlerer Schwarzwald und Ortenau e.V.“ formiert.
1993 folgte die Herausgabe des ersten Reisebürobuchungskataloges und eine viel beachtete Kooperation mit der Bahn, aus der das heute noch gültige „Schwarzwaldticket“ für die verbilligte Bahnanreise von Übernachtungsgästen resultierte. Für das Marketing und die Weiterentwicklung der Angebote bildeten sich 1993 verschiedene Arbeitskreise unter dem Dach des Fremdenverkehrsverbandes Schwarzwald, der sich dann aber 1996 in „Schwarzwald Tourismusverband e.V.“ umbenannte.
Zuvor hatten sich 1995 unter dem Vorsitz von Landrat Jochen Glaeser sieben Verkehrsgemeinschaften zur „Gebietsgemeinschaft Südlicher Schwarzwald e.V.“ zusammengeschlossen. Damit agierten nun neben dem Schwarzwald Tourismusverband drei starke Gebietsgemeinschaften. Die Mitglieder des Verbandes waren zugleich Mitglied in einer der Gebietsgemeinschaften. Die daraus resultierende Tendenz, die Regionen unterschiedlich zu bewerben und den eigenen Vorteil zu suchen, wurde nicht nur in den Medien bundesweit kritisch beleuchtet, sondern auch innerhalb des Verbandes thematisiert.

Erste Schritte zu einer einheitlichen Vermarktung
Doch es dauerte bis 1999, bis Präsident Hansjörg Eckert, der dem Tourismusverband seit 1996 vorstand, die Bildung einer gebietsübergreifenden GmbH anregte. Um die Strukturreform vorzubereiten, gründeten die Geschäftsführer Heide Glasstetter (Touristik Nördlicher Schwarzwald), Jürgen Moser (Tourismus Mittlerer Schwarzwald) und Christopher Krull (Tourismus Südlicher Schwarzwald) und Bernd Goebel (Tourismusverband Schwarzwald) die Arbeitsgemeinschaft „Pro Schwarzwald“.
1999 gab die TUI ihren ersten Schwarzwald-Katalog heraus, ein Jahr später präsentierten sich die drei Gebietsgemeinschaften erstmals gemeinsam in einem schwarzwaldweiten Imagekatalog.
Im März 2001 fasste die AG den Beschluss zur Bildung einer Gesamt-GmbH, im Juni ließ Verbandspräsident Eckert die Auflösung des Schwarzwald Tourismus Verbandes zum Jahresende beschließen und im Oktober 2001 unterzeichneten die Vorsitzenden der Gebietsgemeinschaften den Gesellschaftervertrag zur Gründung der GmbH zum 1. Januar 2002. Die Tourismusorte waren jetzt nur noch Mitglieder der Gebietsgemeinschaften und diese die alleinigen Gesellschafter der neuen GmbH.
Als erstes gemeinsames Marketing-Großprojekt konnte im Februar 2002 die „SchwarzwaldCard“ vorgestellt werden. An der ersten Ausgabe der All-inclusive-Karte beteiligten sich neben der Top-Attraktion Europa-Park bereits 140 Partner aus dem gesamten Schwarzwald. Weitere Großprojekte der jungen STG waren die Schwarzwald-IN-Tage in Hinterzarten und Titisee sowie im Juli 2004 der erste „Schwarzwald-Tag“ für mehr als 60.000 Besucher auf der über 20 Kilometer gesperrten Schwarzwaldhochstraße.

2002: Neue Schwarzwald Tourismus Gesellschaft nimmt Arbeit auf
Die neue Schwarzwald Tourismus Gesellschaft (STG) wurde zunächst von den Geschäftsführern der drei Gebietsgemeinschaften verwaltet, im Juni 2002 wurde jedoch Geschäftsführer Christopher Krull von der Gebietsgemeinschaft Südlicher Schwarzwald zum alleinigen STG-Geschäftsführer ernannt.
Das neue Marketingkonzept, das im Juni 2004 beschlossen wurde, sieht die Einführung von Themensäulen und korrespondierenden Arbeitskreisen vor.

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