Im Schwarzwald mit Pferdestärken unterwegs

Seit 1760 beförderte eine Postkutschenlinie Reisende durch das Höllental über Titisee durch den Schwarzwald. 1869 kam eine Postkutschenlinie von Titisee nach Schluchsee dazu, ab 1872 nach St. Blasien

Aber eigentlich galt das Hauptaugenmerk der Verkehrsplaner im Großherzogtum Baden seit 1838 der Eisenbahn. 1843 wurde die Bahnstrecke Heidelberg – Karlsruhe eröffnet, 1845 führte die Bahn bis Freiburg. Ab 1846 sollte der Schwarzwald bahntechnisch erschlossen werden, aber erst 1873 konnte die Schwarzwaldbahn von Offenburg über Hornberg und St. Georgen nach Singen in Betrieb genommen werden. Die Höllentalbahn wurde 1887 eingeweiht.
Die touristische Entwicklung im Schwarzwald ging Hand in Hand mit der verkehrstechnischen Erschließung. „Tourismus“ beginnt im Schwarzwald etwa Mitte des 19. Jahrhunderts. Reisende hatten eine geschäftliche Absicht oder etwas Dringendes zu erledigen. „Touristen“ sind zum Vergnügen, zum romantischen Naturerleben oder zur Bildung und – wie Grimms Wörterbuch aus jener Zeit definiert – „meist mit dem Nebensinn des reichen, vornehmen, unabhängigen Mannes“ unterwegs. „Urlaub“ im heutigen Sinne von schichtübergreifenden Vergnügungsreisen gibt es in Deutschland erst seit dem 20. Jh. Denn erst 1912 bekamen auch Arbeiter und einfache Angestellte bezahlte Urlaubstage.

Mit der Romantik kommt die „Sommerfrische“ in Mode
Bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts waren Vergnügungsreisen dem Adel, hochrangigen Beamten und dem Großbürgertum vorbehalten. Mehrwöchige Aufenthalte in Kurorten wie Baden-Baden, Badenweiler, Bad Wildbad oder Bad Herrenalb gehörten fest in ihren Jahresablauf. In der 2. Hälfte des 19. Jh. zog es nun auch das aufstrebende städtische Bürgertum und die erfolgreichen Unternehmer der Industrialisierung in die Nähe der Ferienorte des Adels.
Die Romantik hatte schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Hinwendung zur Natur und die Rückbesinnung auf ein einfaches Leben propagiert. Städter, die es sich leisten konnten, suchten Erholung in sauberer Luft und bergigen Landschaften: die „Sommerfrische“ kam in Mode. Oft zogen sie mit der ganzen Familie für mehrere Wochen in einfache Unterkünfte auf luftige Höhen.

Schwarzwaldverein wird zum Wegbereiter für den Tourismus
Doch zunächst schien hauptsächlich die Schweiz von den romantisierenden Sommerfrischlern zu profitieren. Trotz aller Verschönerungs- und Wandervereine, trotz Ruhebänken und Wanderwegen drohte der Schwarzwald ins Abseits zu geraten.
Darauf gründeten am 18. Juni 1864 in Freiburg badische Industrielle und Gastwirte den „Badischen Verein zum Zweck, den Schwarzwald und seine angrenzenden Gegenden besser bekannt zu machen“. 1867 wurde er umbenannt in „Badischer Schwarzwaldverein“. Er veröffentlichte Wanderkarten, Pflanzenführer, Reisebeschreibungen, Erzählungen, Gedichte, richtete 1887 eine erste Auskunftsstelle für Touristen in Freiburg ein, legte 1900 den Westweg, 1902 Mittelweg und 1904 den Ostweg an und baute bis 1914 auf Schwarzwaldhöhen 62 Aussichtstürme.

Mitte 19. Jahrhundert: Erste Gasthäuser auf Schwarzwaldhöhen
Auf den Höhen entstanden ab etwa 1850 die ersten Gasthäuser für Sommerfrischler. 1864 errichteten 20 Menzenschwander Bürger den „Feldberger Hof“ mit 20 Betten, 1866 wurde das Belchenhaus eröffnet. Doch die Einschätzung des Tourismus ist noch ambivalent: Am Titisee wird 1866 dem Freiburger Otto Eigler vom Gemeinderat der Bau einer Gaststätte verweigert. Es sei eine „öde und menschenleere Gegend, in welcher eine Wirtschaft nicht nötig und auch nicht lebensfähig“ sei. Erst 1873 darf der Investor das Titisee-Hotel bauen.
Ab etwa 1880 werden die meisten Höhengasthäuser erweitert und ausgebaut, der Feldberger Hof beispielsweise erhöht seine Bettenkapazität bis 1905 auf 230 Betten, wird 1910 auf 300 Betten vergrößert. Zunehmend entstehen Hotels und Pensionen auch in Tallagen. Zwischen 1871 und 1900 registriert die Badische Statistik 1438 neu eingerichtete Gasthäuser und Hotels. Ihre Besitzer schließen sich zu Werbegemeinschaften zusammen.

Schwarzwald wird zum Klischee einer heilen Welt
Das Bild vom Schwarzwald wird zunehmend romantisiert. Wilhelm Hasemann und Curt Liebich gründen 1880 die Gutacher Künstlerkolonie. Die kleinen Wollröschen auf dem Hut der Gutacher, Kirnbacher und Reichenbacher Tracht geraten auf ihren Bildern immer größer, die Hutmacherinnen passen die Bollen den Bildern an. Bollenhut und Schwarzwaldhöfe werden schnell zum idealisierten Bild einer heilen Welt. Wichtigster Werbeträger war jedoch Prinzessin Luise von Preußen (1838-1913). Seit sie 1856 Großherzogin von Baden geworden ist, trägt sie bei Reisen im Land gerne den Bollenhut.

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