Der Belchen - König des Schwarzwalds
Man nennt ihn gern „König der Schwarzwaldberge“,
den 1414 Meter hohen Belchen zwischen Schönau und Münstertal, auf dessen Kuppe ein Steinkreuz in den Himmel ragt.
Badischer Belchen, Kleiner und Großer Belchen, Jura- und Elsässer Belchen - Ist die Namensgleichheit der fünf Belchen in der Region mehr als nur reine zufällige Übereinstimmung? Zwischen Schwarzwald, Jura und Vogesen geht der Belchismus um.
Der einer Johann-Peter-Hebel-Schrift entnommene Begriff steht für eine Theorie, die darauf basiert, daß sich am kalendarischen Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winteranfang der Sonnenstand in Beziehung zu vier der fünf Belchenberge im Dreieckland setzen läßt.
Keltischer Sonnenkalender
"Das kann kein Zufall sein", meinen Walter Eichin (Lörrach) und Andreas Bohnert (Karlsruhe), die Entdecker des von Ihnen so genannten Belchensystems. Der pensionierten Lehrer und der wissenschaftliche Assistent sind überzeugt, auf ein Geheimnis keltischer Druiden gestoßen zu sein. Danach könnte es so gewesen sein, daß sich Priester der vorgermanischen Siedler, die sich im zweiten vorchristlichen Jahrhundert am südlichen Oberrhein niedergelassen hatten, zur Zeit der Tagundnachtgleiche im März und September sowie an Mittsommer und -Winter im Juni und Dezember in den Vogesen auf den 1247 Meter hohen Elsässer Belchen verfügt und anhand der aufgehenden Sonne mit Hilfe eines benachbarten Belchengipfels taggenau die jahreszeitliche Wende bestimmt haben. Eichen ist sich sicher: " Bei den korrespondieren Belchen muß es sich um ein großräumiges Beobachtungssystemen für den Sonnenkalender der Kelten gehandelt haben.
Belchensystem im Dreieckland
Die Beobachtungen und Messungen der beiden Privatforscher führten in der Tat zu einem verblüffenden Resultat. Immer vom Elsässer Belchen (Ballon d'Alsace) aus gesehen geht die Sonne am 21. März und 23. September über dem Luftlinie 73 Kilometer ostwärts gelegenen Schwarzwald-Belchen (1414 Meter) und am 22. Dezember über dem südostwärts 88 Kilometer entfernten Jura-Belchen (1123 Meter) auf. Sonnenaufgangsfixpunkt am 21. Juni ist der 27 Kilometer nahe Kleine Belchen (Petit Ballon, 1267 Meter). Zum System gehört auch der benachbarte Große Belchen (Grand Ballon, 1424 Meter), über dessen Gipfel sich die Sonne am 1. Mai erhebt und damit just zu einem Tag, an dem schon die Kelten feierten
Belenus - Lichtgott
Die Namensgleichheit der fünf markanten Mittelgebirgserhebungen hatte Eichin auf die Idee gebracht, daß dahinter mehr als eine nur zufällige Übereinstimmung stecken könnte. Wie andere zweifelte er die von Sprachwissenschaftlern besonders seit den dreißiger Jahren bevorzugte Auffassung an, daß der Belchen-Name aus dem Alemannischen stamme, und griff die These vom keltischen Ursprung auf. Danach sollen die Berge nach Belenus oder Belakus, dem Sonnengott der Kelten, benannt worden sein.
Als sich Eichin und seinem Koautor Bohnert, der die astronomischen Daten berechnete, die Zusammenhänge zwischen Sonnenstand und Kalendermarken enthüllten, war für beide klar: Die Druiden haben die für ihre Zwecke günstig gelegenen Gipfel als Kalenderberge genutzt und mit dem Namen ihres Lichtgottes versehen.
Das Rätselraten geht weiter
Das reizvolle Beziehungsgeflecht zwischen Belchen, Kelten und Sonne ist nicht unumstritten. Kritiker vermissen vor allem handfeste archäologische Beweise, ohne die ihnen das Belchensystem wissenschaftlich nicht vertretbar erscheint. Es gibt aber ebenso überzeugte Belchisten, denen die Belchismus-Theorie einleuchtet. Ihnen neigt auch der Basler Kantonsarchäologe Rolf D'Aujourd'hui zu, der daran erinnert, daß für vergangene Hochkulturen Sonne, Mond und Sterne wichtigste Orientierungspunkte waren. Der Wissenschaftler gilt inzwischen der Frage nach, ob sich in das belchenbezogene Visierliniennetz auch prähistorische Fundstellen im Dreieckland einbeziehen lassen. Erste Hinweise auf astronomische Ausrichtung früherer Oberrheinsiedlungen werden nähren die Vermutung.
Quelle: Karl Rammstein - dpa









